Peinliche Panne Ford Indien plante Kampagne mit sexistischen Motiven

Indien will Vergewaltigungen mit strengeren Gesetzen bestrafen. Bei der Werbeagentur des Autobauers Ford schien das niemanden zu kümmern. Sie hatte eine Kampagne in Vorbereitung, die unter anderem leicht bekleidete, gefesselte Frauen im Kofferraum eines Ford zeigte.

Ford-India-Werbemotiv: Schumachers verschnürte Kontrahenten im Kofferraum
JWT India

Ford-India-Werbemotiv: Schumachers verschnürte Kontrahenten im Kofferraum


Neu-Delhi - Das Entsetzen über diese Werbekampagne ist im Internet schon angekommen: In Blogs kursieren derzeit mehrere Anzeigen des Autoherstellers Ford India für den Kleinwagen Figo, zwei der Anzeigen bedienen sich sexistischer, sadistischer Anspielungen. "Wie kann ein Autokonzern ausgerechnet jetzt eine derartige, geschmacklose Aktion starten?", fragt eine Bloggerin, "Finden die das etwa lustig?"

Über guten und schlechten Geschmack lässt sich sicherlich streiten, doch mit dieser Kampagne dürfte Ford noch ein Problem bekommen. Gerade hat das indische Parlament strengere Gesetz verabschiedet, um die sexuelle Gewalt im Land einzudämmen, da wollte der Konzern anscheinend mit Illustrationen werben, in denen gefesselte halbnackte Frauen im Kofferraum des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi liegen. In einem weiteren Motiv der Kampagne thront Paris Hilton auf dem Fahrersitz, drei Kontrahentinnen sind im Fond des Ford-Fahrzeugs. Ihre Münder sind verklebt, sie sind gefesselt. Ein drittes Motiv zeigt Formel-1-Legende Michael Schumacher, der auf verschnürte Rennkollegen im Kofferraum blickt.

Auf Anfrage des Blogs indiancarsbikes.in erklärt Ford sein Bedauern. Eine derartige Reklame entspreche selbstverständlich keinem professionellen Handeln von Ford und seinen Partnern und hätte niemals passieren dürfen. Die Partner - das ist die indische Tochter des international tätigen Werberiesen JWT, die bereits seit 2009 Reklame für Ford macht.

JWT bestätigt zwar die Existenz der Kampagne, und auch sie zeigen sich untröstlich. Auf Anfrage von indiancarsbikes.in erklärt die Agentur allerdings, es habe sich bei den Anzeigen nur um Entwürfe einzelner Mitarbeiter gehandelt - "diese sollten niemals gemacht werden". Besonders peinlich ist in dem Zusammenhang, dass die Agentur auf ihrer Facebook-Seite prominent für eine Kampagne gegen den Missbrauch von Frauen wirbt: "Men against Rape & Discrimination".

facebook.com/JWTIndia
Indien verschärft Gesetze

Indien zieht derweil Konsequenzen aus den zahlreichen Berichten über Vergewaltigungen und verschärft die Gesetze: Gruppenvergewaltigungen sollen künftig mit mindestens 20 Jahren Haft bis hin zu lebenslänglich bestraft werden. Fällt ein Vergewaltigungsopfer ins Koma oder stirbt, droht den Tätern die Todesstrafe. Stalking, sexuelle Belästigung, Voyeurismus und Säureattacken sollen ebenfalls hart bestraft werden. Das Unterhaus hatte dem Gesetzesvorschlag am Dienstag nach siebenstündiger Debatte zugestimmt. Nun muss noch das Oberhaus entscheiden.

Bislang wird Vergewaltigung in Indien mit sieben bis zehn Jahren Haft bestraft. In dem Land gibt es seit Wochen eine große gesellschaftliche Diskussion über Vergewaltigungen von Frauen, in deren Verlauf schärfere Strafen gefordert wurden. Kritiker werfen Polizei und Justiz vor, viele Vergewaltigungsfälle gar nicht erst aufzunehmen oder die Verfahren rasch wieder einzustellen. Auslöser der Debatte war die tödliche Gruppenvergewaltigung einer Studentin im vergangenen Dezember. Die brutale Tat löste weltweit Entsetzen aus.

Die Berichte über Vergewaltigungsfälle in Indien reißen seither nicht ab. Am vergangenen Samstag vergewaltigten mehrere Dorfbewohner eine Schweizer Touristin vor den Augen ihres gefesselten Ehemanns. In der Nacht zum Dienstag sprang eine britische Touristin aus Angst vor einem sexuellen Übergriff aus dem Fenster ihres Hotels in der Stadt Agra, wo das berühmte Taj Mahal steht.

nik



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.