Foto-Outing Zeitung muss Schmerzensgeld zahlen

Das Landgericht München hat dem Teilnehmer einer Homosexuellen-Parade Schadensersatz zugesprochen, nachdem eine Boulevardzeitung ohne seine Einwilligung ein Foto von ihm abgedruckt hatte. Seiner Familie und seinen Bekannten hatte der Mann seine Homosexualität bis dahin verheimlicht.


Teilnehmer des Christopher Street Day: Enge Grenzen für Fotografen
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Teilnehmer des Christopher Street Day: Enge Grenzen für Fotografen

München - Die Zivilkammer sprach dem Mann in einem heute veröffentlichten Urteil 5000 Euro Schmerzensgeld zu und setzte damit der Bildberichterstattung von Homosexuellen-Paraden enge Grenzen. Eine Zeitung hatte ohne die Einwilligung des Klägers ein Bild von ihm in inniger Umarmung mit einem anderen Mann abgedruckt. Die fast halbseitige Archivaufnahme diente zur Illustration eines Artikels, der den Titel "So leben Schwule in München" trug.

Das Foto war auf einer Christopher-Street-Day-Parade in Würzburg aufgenommen worden. Der Münchner war absichtlich in die bayerische Stadt gereist, weil er seine Homosexualität in der Heimatstadt vor seinen Eltern und Geschäftskunden geheim halten wollte. Durch die Darstellung als "Münchner Vorzeige-Homosexueller" sei der Kläger jedoch in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt worden, urteilte das Gericht. Das Outing insbesondere gegenüber den Eltern "zählt auch im Zeitalter einer immer weiter fortschreitenden Liberalisierung der Gesellschaft in diesen Fragen zum Intimbereich", erklärten die Richter. Weder der Staat noch dritte, insbesondere die Presse, dürften dieses grundgesetzlich geschützte Recht verletzen.

Nach Ansicht der Richter hätte eine Bildveröffentlichung höchstens kurz nach dem entsprechenden Ereignis erfolgen dürfen. Allerdings hätte der Kläger, der sich unauffällig verhalten habe, nicht ohne seine Einwilligung in Großaufnahme aus der anonymen Menge herausgeholt werden dürfen. Etwas anderes gelte für Teilnehmer, die sich für Fotografen extra in Szene setzten. Das Bild lege jedoch nahe, dass die Aufnahme heimlich erfolgt sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



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