Sexueller Missbrauch von Kindermodels Fotograf Achim Lippoth zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt

Er ging laut Gericht »hochgradig manipulativ« vor: Der Fotograf Achim Lippoth ist wegen Kindesmissbrauchs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Seine Opfer waren minderjährige Models.
Verurteilter Lippoth im Gerichtssaal: »Hochgradig manipulativ«

Verurteilter Lippoth im Gerichtssaal: »Hochgradig manipulativ«

Foto: Thomas Banneyer / dpa

Einer der ehemals renommiertesten Kinderfotografen der Gegenwart ist des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Achim Lippoth soll nach dem Willen des Landgerichts Köln vier Jahre und zehn Monate ins Gefängnis.

Aus Sicht des Gerichts ist es erwiesen, dass Lippoth drei Kinder in vier Fällen missbrauchte. In den übrigen zwölf angeklagten Fällen zulasten von drei weiteren Kindern wurde er freigesprochen.

Dennoch hatte das Gericht nach eigenen Angaben auch in diesen Fällen den Eindruck gewonnen, dass das, was die mutmaßlichen Opfer in nicht öffentlichen Verhandlungen ausgesagt hatten, »grundsätzlich zutreffend« gewesen sei. Da die Geschehnisse zum Teil aber viele Jahre zurücklagen, hätten die für eine Verurteilung notwendigen konkreten Feststellungen nicht mehr getroffen werden können.

Lippoth hatte die Taten stets bestritten.

Bei den Opfern handelte es sich um Fotomodels im Kindesalter. Laut Urteil verging sich der Angeklagte in der Zeit von 1999 bis 2006 an den damals unter 14 Jahre alten Jungen. Seine sexuellen Übergriffe bereitete er demnach »hochgradig manipulativ« vor. Als Fotograf von Kindermode habe er gezielt Kontakt zu vorpubertären Jungen gesucht.

Er habe mit ihnen Ausflüge in seinem Auto unternommen, Freizeitbäder besucht oder in seiner Wohnung Playstation gespielt, ihnen teure Geschenke gemacht oder sie mitgenommen auf Fernreisen, unter anderem auf die Malediven. »Alles das, um sich den Kindern körperlich zu nähern«, erklärte das Gericht.

Ganz bewusst habe der Angeklagte »mit dem Fokus einen sexuellen Missbrauch zu begehen« gute Beziehungen zu den Eltern, insbesondere zu den Müttern seiner späteren Opfer aufgebaut. Im Falle seines ersten Opfers im Jahr 1999 sei der Angeklagte mit den Eltern sogar so gut befreundet gewesen, dass er Patenonkel des Jungen geworden sei.

Lippoth hatte im Prozess geschwiegen, die Vorwürfe über seine Verteidiger aber bestreiten lassen. Diese hatten wiederholt von einem »Komplott« gegen ihren Mandanten gesprochen. Bei der Urteilsbegründung widersprach die Kammer deutlich: »Es gab keine Verschwörung.«

Kampagne gegen Kindesmissbrauch fotografiert

Der 53-Jährige zählte zu den renommiertesten Kinderfotografen überhaupt. Lippoth fotografierte Werbekampagnen mehrerer großer Firmen, ebenso wie für Medien, darunter den SPIEGEL und das »Zeit Magazin«, das die Vorwürfe enthüllt hatte.

Mit seinen Bildern gewann er beim wichtigsten Werbefestival der Welt in Cannes fünf Löwen, das von ihm gegründete Kindermodemagazin »Kid’s Wear« wurde mit mehreren Branchenpreisen ausgezeichnet. Oft schien er die Rollen von Kindern und Eltern zu reflektieren. Lippoth fotografierte auch eine Kampagne gegen sexuellen Missbrauch für die Nichtregierungsorganisation Innocence in Danger.

Die Kammer setzte den Untersuchungshaftbefehl gegen den Fotografen außer Kraft. So verließ der Angeklagte das Gerichtsgebäude nach rund 15 Monaten in der JVA Köln-Ossendorf auf freiem Fuß. Sollte das Urteil in dieser Form rechtskräftig werden, erhielte er irgendwann einen Termin zum Haftantritt.

Die Staatsanwaltschaft erhob noch im Saal Beschwerde gegen die Haftverschonung. Das Verteidigerteam kündigte an, Revision gegen das Urteil einzulegen.

wit/jpz/dpa
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