NS-Täter Fotos von Iwan Demjanjuk im KZ Sobibor aufgetaucht

John "Iwan" Demjanjuk wurde wegen der Beihilfe zum Mord an 28.060 Juden verurteilt - und kämpfte bis zu seinem Tod 2012 dagegen. Jetzt zeigen ihn bislang unbekannte Fotos im Konzentrationslager.
John "Iwan" Demjanjuk beim Prozess vor dem Landgericht in München

John "Iwan" Demjanjuk beim Prozess vor dem Landgericht in München

Foto: Lukas Barth/ dpa

Bisher unbekannte Bilder sollen den NS-Täter Iwan Demjanjuk erstmals im Konzentrationslager Sobibor zeigen. Demjanjuk bestritt bis zu seinem Tod die Beihilfe zum Mord an fast 30.000 Juden, er sei nie Aufseher im KZ gewesen.

Die Bilder stammen aus dem Besitz von Johann Niemann, stellvertretender Kommandant des Vernichtungslagers Sobibor, wie das NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors mitteilte. Zusätzlich zeigen die mehr als 350 Fotos der Sammlung Szenen der "Aktion Reinhard", bei der 1,8 Millionen Juden in dem von Deutschland besetzten Polen ermordet wurden. Die Bilder böten bisher unbekannte Einblicke in die nationalsozialistischen Massenverbrechen und zu den deutschen Lagern im besetzten Polen.

Niemann stammte aus dem Emsland und trat 1934 in die Wachmannschaft des Konzentrationslagers Esterwegen ein. Nach einer Station in Sachsenhausen und in der "Kanzlei des Führers" wurde er bei der "Aktion T4" eingesetzt, bei der 80.000 vermeintlich körperlich und geistig unheilbar Kranke ermordet wurden. Danach war er am Aufbau des ersten "Aktion Reinhard"-Lagers in Belzec, später kam er nach Sobibor. Niemann wurde bei einem Gefangenenaufstand am 14. Oktober 1943 zusammen mit zehn weiteren SS-Männern getötet.

Das Urteil gegen Demjanjuk wurde nie rechtskräftig

Demjanjuk wurde wegen Beihilfe zum Mord an 28.060 Menschen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde nicht rechtskräftig, weil Demjanjuk zehn Monate nach der Verkündung starb - bevor über die von Verteidigung und Staatsanwaltschaft beantragte Revision entschieden wurde.

Die Bilder sollen der Öffentlichkeit Ende Januar in Berlin vorgestellt werden.

Jahrzehntelang lebte Demjanjuk unauffällig

Demjanjuk war 1940 als 20-Jähriger zur Roten Armee gekommen. 1942 geriet er in deutsche Gefangenschaft, in der Millionen sowjetische Gefangene starben. Offenbar entschied er sich zur Zusammenarbeit mit den Deutschen, ließ sich im SS-Lager Trawniki ausbilden und wurde in Sobibor eingesetzt. Als Hauptbeweis dafür gilt ein SS-Dienstausweis mit der Nummer 1393. "Abkommandiert am 27.3.43 Sobibor" steht darauf.

Nach dem Krieg meldete sich Demjanjuk als sogenannte Displaced Person und damit praktisch als Naziopfer. 1952 konnte er mit seiner gerade gegründeten Familie in die USA ausreisen. Seine mögliche NS-Vergangenheit wurde nicht bekannt, obwohl er in den Ausreisepapieren als früheren Aufenthaltsort unter anderem "Sobibor" angab. In den USA nahm er den Vornamen John an und arbeitete als Automechaniker.

Jahrzehnte später kam der Verdacht auf, Demjanjuk könnte "Iwan der Schreckliche" von Treblinka gewesen sein. 1986 wurde er an Israel ausgeliefert und 1988 wegen der Beihilfe zum Mord an mehr als 800.000 Juden zum Tode verurteilt. Fünf Jahre saß er in der Todeszelle - 1993 hob das Oberste Gericht Israels das Urteil auf. Die Richter zweifelten, ob er wirklich "Iwan der Schreckliche" war. Er kehrte zu seiner Familie in Seven Hills im US-Bundesstaat Ohio zurück.

lmd/dpa
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