Hells Angel Frank Hanebuth wird 50 Gestern ein König

Der einstmals mächtigste Hells Angel Europas wird 50: Vor zehn Jahren feierte er noch wie ein Staatsoberhaupt, nun muss Frank Hanebuth seinen Geburtstag in einer spanischen Haftanstalt begehen.

Festgenommener Hanebuth auf Mallorca (2013): Geburtstag hinter Gittern
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Festgenommener Hanebuth auf Mallorca (2013): Geburtstag hinter Gittern

Von und Claas Meyer-Heuer


In einer Einzelzelle des Gefängnisses von Cádiz wird heute gefeiert. Frank Hanebuth, früher der wahrscheinlich mächtigste Hells Angel Europas, wird 50 Jahre alt. Der Ex-Boxer bekommt Besuch von seiner Freundin, seine Rockerkameraden schicken ihm Glückwunschkarten, doch der runde Geburtstag gerät wohl alles in allem zu einem eher tristen Fest. Noch immer sitzt "der Lange", wie er in seiner Heimatstadt Hannover genannt wird, in spanischer Untersuchungshaft. Ein Ende des Ermittlungsverfahrens ist bislang nicht absehbar, dafür bekriegen sich die deutschen Hells Angels nun untereinander.

Vor zehn Jahren fiel die Party des Paten noch deutlich opulenter aus. Damals, auf dem Höhepunkt seiner Macht, trat Hanebuth auf wie ein Staatsoberhaupt. In einer silbernen Mercedes-Stretchlimousine, eskortiert von 16 Motorrädern, dröhnte er zu seiner Feier, die im Vereinsheim des inzwischen aufgelösten Rockerklubs in Hannover stieg. Seine Kumpels produzierten von der Sause ein Video, das auf verschlungenen Pfaden an die Öffentlichkeit gelangte und gute Einblicke in die Persönlichkeitsstruktur des Bosses ermöglichte.

Noch bevor Hanebuth seine zivilen Gäste begrüßte, hielt er eine kurze Rede im Kreis seiner Klubkameraden: "Ohne euch wäre das gar nicht gegangen. Lasst uns einen ruhigen, bunten Abend verleben. Auf euch, Männer! Hells Angels!"

Hanebuths 40. Geburtstag in Hannover (2004): "Auf euch, Männer!"
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Hanebuths 40. Geburtstag in Hannover (2004): "Auf euch, Männer!"

Dann zog er weiter und herzte andere Gäste, ein Milieu-König zum Anfassen. Seine Kumpel-Attitüde, gepaart mit dem Unterwelt-Image, zog damals auch bürgerliches Partyvolk in Scharen an. Ein Redakteur der Lokalzeitung unternahm später einige Anstrengungen, gemeinsam mit dem schon sichtlich angetrunkenen Hanebuth in die Kamera zu lächeln. In einem seiner Artikel würde er dem Rockerboss eine "erstaunliche Resozialisierung" attestieren.

Natürlich fehlte auch der Trauzeuge des damaligen Bundeskanzlers nicht. Hanebuths Anwalt Götz von Fromberg hatte ebenso wie der Gastgeber ein weißes Hemd angezogen, das bei ihm allerdings deutlich stärker spannte. Zwischen den Höllenengeln und Bordellbetreibern wirkte der renommierte Strafverteidiger nicht so verloren, wie man annehmen möchte: Er war nicht alleine.

Schlipswelt und Knochenbrecher-Milieu

In die Zentrale der hannoverschen Hells Angels hatte es eine Menge Anzugträger verschlagen, flankiert von elegant gekleideten Damen, die in ihren schwarzen Kostümen auch eine Vernissage eröffnen könnten. Im "Angels Place" mischten sich an diesem Abend vor zehn Jahren Rotlichtszene und Bürgertum, Hanebuth war die Schnittstelle zwischen Schlipswelt und Knochenbrecher-Milieu.

Die Feier im September 2004 erlebte ihren Höhepunkt um Mitternacht. Eine alkoholselige Meute aus Rockern, Rotlichtgrößen und Biedermännern grölte "Happy birthday to you" - angestimmt vom Boss persönlich. Eine Blaskapelle amerikanischer Prägung intonierte den Klassiker "You Can Call Me Al" und die Menge brüllte im Chor die Textzeile "If you'll be my bodyguard …" Ein Feuerwerk erleuchtete den niedersächsischen Nachthimmel.

Draußen vor dem "Angels Place" überreichten die Klubkameraden dem Clan-Oberhaupt schließlich ihr Geschenk: ein bestimmt drei Meter großes Porträt, auf dem ein riesiger Glatzkopf in Hells-Angels-Kutte vor einer offenbar antiken Kulisse aus griechischen Säulen posiert. Die gemalte Kopie wirkte jünger als das Original, dafür strahlte der echte Hanebuth stärker: der König von Hannover, in Öl.

GSG 9 stürmte Hanebuths Villa

Diese Zeiten sind vorbei. Frank Hanebuth orientierte sich ebenso wie einige andere ehemalige Mitglieder des Hannoveraner Charters der Hells Angels im vergangenen Sommer Richtung Mallorca. Zuvor löste der deutsche Chefrocker noch den Ableger in der niedersächsischen Landeshauptstadt auf, nachdem die GSG 9 sein Anwesen in der Wedemark gestürmt und einen seiner Hunde erschossen hatte.

Das der Razzia zugrunde liegende Verfahren der Staatsanwaltschaft Kiel verlief zwar im Sande - die Beamten waren wohl dem wenig glaubwürdigen Kronzeugen Steffen R. aufgesessen -, doch Hanebuth hatte damals genug von Deutschland. In Spanien plante er einen Neubeginn. Er wolle einen Gastronomiebetrieb übernehmen, sagte er.

Doch im Juli 2013 wurde der Rocker bei einer Großrazzia in der mallorquinischen Finca seines Freundes Paul E., 72, festgenommen, seither sitzt er in Untersuchungshaft. Die Behörden werfen den Männern Drogen- und Menschenhandel, Geldwäsche, Bestechung und Erpressung vor. Als problematisch könnte sich dabei für Hanebuth erweisen, dass er offiziell als Anführer des auf Mallorca ansässigen Hells-Angels-Charters "Spain" firmierte. Den Club stufen die Ermittler bislang als kriminelle Organisation ein.

"Wir kennen die Vorwürfe der Ermittlungsbehörden immer noch nicht im Detail", sagte Hanebuths deutscher Anwalt, Götz von Fromberg, nun auf Anfrage. "Daher können wir uns bislang gegen den Verdacht auch nicht wehren." Der Hells Angel selbst hatte nach seiner Festnahme ausrichten lassen, er habe sich in Spanien nichts zuschulden kommen lassen - und daher auch nichts zu befürchten.


Passagen dieses Textes stammen aus dem SPIEGEL-Buch "Rockerkrieg. Warum Hells Angels und Bandidos immer gefährlicher werden".

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