Drogenhandel und Zuhälterei Spanische Justiz setzt Prozess gegen Rockerboss Hanebuth an

Die Staatsanwaltschaft fordert 13 Jahre Haft: Ex-Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth muss sich von Januar 2023 an in Spanien vor Gericht verantworten – unter anderem wegen Entführung, Erpressung und Menschenhandel.
Frank Hanebuth (2020 im Amtsgericht Hannover)

Frank Hanebuth (2020 im Amtsgericht Hannover)

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Rockerboss Frank Hanebuth muss in Spanien unter anderem wegen Drogenhandels und Zuhälterei auf die Anklagebank. Der Prozess gegen den 57-Jährigen aus Hannover und gegen 46 weitere mutmaßliche Ex-Mitglieder und Helfer der Rockerbande Hells Angels werde am 9. Januar 2023 beginnen, teilt der Nationale Staatsgerichtshof in Madrid mit.

Für Hanebuth fordert die Staatsanwaltschaft eine 13-jährige Freiheitsstrafe. Den 47 Angeklagten werden unter anderem die Gründung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Entführung, Erpressung und Menschenhandel vorgeworfen.

Spektakuläre Razzia

Bei einer spektakulären Razzia war Hanebuth 2013 auf Mallorca zusammen mit 23 anderen mutmaßlichen Motorrad-Rockern auf einer Finca in Lloret de Vistalegre im Inneren der spanischen Insel festgenommen worden. Unter den Festgenommenen waren vorwiegend Deutsche, aber auch Türken, Luxemburger und Spanier.

Die Gruppe um Hanebuth soll auf Mallorca nach den Erkenntnissen der Ermittler zwischen 2009 und 2013 als kriminelle Vereinigung tätig gewesen sein. Sie soll an der Playa de Palma – dem berühmt-berüchtigten »Ballermann« – zahlreiche schwere Straftaten begangen haben.

Für zwei mutmaßliche Führungsmitglieder der Bande fordert die Staatsanwaltschaft sogar 38,5 und 33,5 Jahre Haft. Unter den Angeklagten sind auch zwei mallorquinische Polizisten und ein Angehöriger der Nationalpolizei Guardia Civil (Zivilgarde), denen Gefängnisstrafen zwischen fünfeinhalb und siebeneinhalb Jahre drohen. Sie sollen den Rockerklub gegen Bezahlung mit Informationen beliefert haben. Bis zum 10. Februar 2023 soll es insgesamt 15 Verhandlungstage geben.

Fast alle Verdächtigen hatten nach Polizeiangaben auf Mallorca »ein Luxusleben geführt«. Hanebuth lebte etwa auf einem Anwesen, dessen Wert von den Behörden auf 2,5 Millionen Euro geschätzt wurde.

Nach zwei Jahren hinter Gittern war Hanebuth – langjähriger Chef der inzwischen aufgelösten Hells Angels in Hannover – im Sommer 2015 gegen eine Kaution von 60.000 Euro und unter Auflagen aus der U-Haft im Hochsicherheitsgefängnis in Cádiz entlassen worden. Erst 2017 durfte er Spanien verlassen, er kehrte nach Hannover zurück.

wit/dpa
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