Attacke von Frankfurt Freund berichtet von Wahnvorstellungen des Tatverdächtigen

Der mutmaßliche Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof hat laut einem Freund seit Monaten unter Wahnvorstellungen gelitten. Habte A. habe sich verfolgt gefühlt. Ein Arzt habe ihn daraufhin an eine Klinik weiterverwiesen.

Tatort Frankfurter Hauptbahnhof: Hier wurde am Montag ein achtjähriger Junge von einem Mann am Gleis 7 vor einen einfahrenden Zug gestoßen und getötet
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Tatort Frankfurter Hauptbahnhof: Hier wurde am Montag ein achtjähriger Junge von einem Mann am Gleis 7 vor einen einfahrenden Zug gestoßen und getötet

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Der Eritreer Habte A. soll am Montag in Frankfurt einen Achtjährigen vor einen einfahrenden Zug gestoßen haben - nun berichtet ein Freund von ihm, A. habe seit einigen Monaten Wahnvorstellungen gehabt.

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Der Dreißigjährige stammt wie der mutmaßliche Täter aus Eritrea, der SPIEGEL traf ihn in Wädenswil in der Schweiz, A.s Wohnort. Er sagt, er sei seit zehn Jahren mit Habte A. befreundet gewesen, und schildert ihn als einen ruhigen Typ, der große Menschenansammlungen gemieden habe. "Dann fühlte er sich verfolgt und glaubte, jemand würde ihn abholen."

In den vergangenen Monaten habe er deutliche Wahnvorstellungen bei Habte A. bemerkt. "Einmal habe ich ihn ins Fitnessstudio mitgenommen, und sofort zeigte er auf andere Gäste, die über ihn reden würden", so der Freund. Um A. zu beruhigen, habe er die Leute direkt angesprochen und gesagt: "Sieh, da redet niemand über dich. Die kennen dich doch gar nicht." Habte A. habe nach außen ruhig gewirkt, aber man habe spüren können, dass er innerlich bebte.

Wie der Freund dem SPIEGEL weiter berichtet, habe er Habte A. gedrängt, zum Arzt zu gehen, was dieser irgendwann getan habe. Der Arzt habe ihn zur Behandlung an eine Klinik weiterverwiesen. Am Donnerstag vergangener Woche, nachdem er seine Frau, die Kinder und eine Nachbarin bedroht und eingesperrt hatte, habe Habte A. bei ihm angerufen und gesagt, seine Frau habe die Polizei gerufen. Er müsse weg, sonst werde er verhaftet.

Der Freund: "Ich habe das wieder für eine seiner Angstvorstellungen gehalten und gesagt, dass er zum Arzt gehen sollte." Aber diesmal stimmten die Aussagen Habte A.s.

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