Ministerpräsident Bouffier zu überrolltem Jungen in Frankfurt "Fassungslos, dass Mutter und Kind vor Zug gestoßen wurden"

In Frankfurt ist ein Achtjähriger von einem Mann vor einen einfahrenden ICE gestoßen worden. Der hessische Ministerpräsident hat sich betroffen über den Tod des Jungen geäußert. Innenminister Seehofer unterbricht seinen Urlaub.

Absperrung am Hauptbahnhof: Tatverdächtiger mithilfe von Passanten gefasst
CARSTEN RIEDEL/ EPA-EFE/ REX

Absperrung am Hauptbahnhof: Tatverdächtiger mithilfe von Passanten gefasst


Ein 40-Jähriger stieß am Hauptbahnhof von Frankfurt am Main eine Frau und deren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden ICE. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich erschüttert über die Tat gezeigt.

"Es macht fassungslos, dass Mutter und Kind vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurden", teilte der CDU-Politiker mit. Die Aufklärung der "abscheulichen Tat" liege nun in den Händen der zuständigen Behörden. Bouffier sprach der Familie sein Beileid aus.

Bundesinnenminister Horst Seehofer unterbricht wegen der Tötung des Jungen seinen Urlaub. Der CSU-Politiker wolle sich "angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" mit Vertretern der Sicherheitsbehörden treffen, bestätigte sein Ministerium einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung.

Versuchter Angriff auf weiteren Menschen

"Der Täter wird für die Tat mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu Verantwortung gezogen werden", zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus einer Mitteilung Seehofers. Soweit nötig stelle er dem Land Hessen jede Unterstützung etwa der Bundespolizei oder des Bundeskriminalamts zur Verfügung.

Der mutmaßliche Täter hatte laut Polizei eine Frau und deren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Das Kind wurde von dem Zug erfasst und getötet. Die 40-jährige Frau konnte sich demnach aus dem Gleisbett an Bahnsteig 7 retten, wurde in ein Krankenhaus gebracht und notfallmedizinisch versorgt. Sie solle so bald wie möglich befragt werden, sagte ein Polizeisprecher.

Der Angreifer soll zudem versucht haben, einen weiteren Menschen auf die Gleise zu stoßen. Dieser habe sich aber in Sicherheit bringen können, ohne ins Gleisbett zu stürzen. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdelikts und wertet Videoaufnahmen aus.

Die Polizei sucht noch nach dem Motiv des mutmaßlichen Täters. Seine Opfer soll er nach Angaben der Polizei nicht gekannt haben. Der Tatverdächtige flüchtete zunächst, wurde aber später außerhalb des Bahnhofs von Passanten überwältigt, wie die Beamten mitteilten.

Die Ermittler riefen Zeugen auf, sich mit sachdienlichen Hinweisen bei der Polizei zu melden. Dazu konnten auch Fotos und Videos über eine spezielle Internetseite hochgeladen werden.

Am Hauptbahnhof wurden die Gleise 4 bis 9 für mehrere Stunden gesperrt. Es kam zu Ausfällen und Verspätungen, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Am Abend wurden die Gleise den Angaben zufolge alle wieder freigegeben. Die Deutsche Bahn schaltete am Nachmittag eine Sonder-Telefonnummer zur psychologischen Betreuung für Zeugen des Vorfalls frei. Der Frankfurter Hauptbahnhof gehört zu den größten Bahnhöfen in Deutschland und wird täglich von fast 500.000 Menschen besucht.

Volker Bouffier sprach von einer "abscheulichen Tat"
Boris Roessler/ DPA

Volker Bouffier sprach von einer "abscheulichen Tat"

Erst am Samstag voriger Woche war im Bahnhof der niederrheinischen Stadt Voerde eine 34 Jahre alte Mutter vor einen Regionalzug gestoßen worden und ums Leben gekommen. Der 28-jährige Tatverdächtige sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Täter und das Opfer kannten sich ebenso wie in Frankfurt nicht.

apr/tin/dpa/AFP



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