Junge vor ICE gestoßen Tatverdächtiger ist selbst Vater von drei Kindern

Die Staatsanwaltschaft hat weitere Angaben zu dem Mann gemacht, der in Frankfurt einen Achtjährigen vor einen ICE gestoßen haben soll. Sie geht nicht von einem terroristischen Hintergrund aus.

Blumen und Kuscheltiere an Gleis 7 erinnern an den Achtjährigen.
CARSTEN RIEDEL/ EPA-EFE/ REX

Blumen und Kuscheltiere an Gleis 7 erinnern an den Achtjährigen.


Der mutmaßliche Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof ist verheiratet und selbst Vater von drei Kindern. Das gab die Staatsanwaltschaft Frankfurt bekannt. Er sei vor einigen Tagen mit dem Zug von Basel nach Frankfurt gekommen. In Deutschland sei er bislang nicht polizeibekannt.

Zu der Attacke habe sich der 40-Jährige bislang nicht eingelassen. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, wird er am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Die Behörde werde Haftbefehl wegen Mordes und zweifachem Mordversuch beantragen.

Die Bundesanwaltschaft werde bislang nicht in den Fall eingeschaltet. Demnach gehen die Ermittler aktuell nicht von einem terroristischen Hintergrund aus.

Der Mann soll am Montag am Frankfurter Hauptbahnhof einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen haben. Der Mann soll zuvor auch die Mutter des Kindes ins Gleisbett gestoßen und es bei einer 78-Jährigen versucht haben.

Polizisten am Frankfurter Hauptbahnhof
ARMANDO BABANI/ EPA-EFE/ REX

Polizisten am Frankfurter Hauptbahnhof

Die 40-jährige Mutter hatte sich der Polizei zufolge auf einen Fußweg zwischen zwei Gleisen gerettet. Sie erlitt einen schweren Schock. Die 78-Jährige konnte sich in Sicherheit bringen, ohne auf die Gleise zu stürzen. Auch sie habe laut Staatsanwaltschaft einen Schock erlitten. Zudem sei sie an der Schulter verletzt worden.

Der Tatverdächtige flüchtete, wurde von Passanten verfolgt und später von der Polizei außerhalb des Bahnhofs festgenommen. Nach ersten Ermittlungen kannte er seine Opfer nicht. Der Mann soll seit 2006 in der Schweiz leben und aus Eritrea stammen.

Laut der Kantonspolizei Zürich hatte der Tatverdächtige einen Wohnsitz im Kanton Zürich. Er sei im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung gewesen. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Ein Test habe zudem ergeben, dass der Mann keinen Alkohol getrunken habe, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Es gebe auch keine Hinweise auf Drogen und keine Erkenntnisse über eine Verbindung zu der Tat im hessischen Wächtersbach. Dort hatte ein Deutscher offenbar aus rassistischen Motiven vergangene Woche einen Eritreer mit einem Bauchschuss schwer verletzt und sich anschließend selbst getötet (Lesen Sie hier mehr zu dem Fall).

Unklar sei noch, warum der Mann vor einigen Tagen aus der Schweiz nach Deutschland eingereist sei. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) unterbrach wegen der Tat seinen Urlaub und trifft sich mit Vertretern der Sicherheitsbehörden in Berlin. Am Nachmittag will er sich vor der Presse äußern.

Mehr dazu, was bisher über die Attacke von Frankfurt bekannt ist, erfahren Sie hier.

Mehr über die redaktionelle Abwägung, wann die Nationalität eines Tatverdächtigen genannt wird, lesen Sie hier.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, der Tatverdächtige habe sich unerlaubt im Bundesgebiet aufgehalten. Dies ist nicht korrekt, wir haben die Angabe entfernt.

sen/dpa/Reuters/AFP

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