Ungelöstes Verbrechen Die Tote ohne Namen

In Frankfurt am Main wurde vor sechs Monaten eine Leiche mit auffälligem Tattoo entdeckt. Bis heute ist kaum etwas über die Tote bekannt. Nun bitten die Ermittler um Hilfe.

SPIEGEL TV

Von und Daniel Hartung


Die Leiche liegt an einem Wasserauffangbecken am nördlichen Rand von Frankfurt am Main, gleich gegenüber von Ikea im Stadtteil Nieder-Eschbach. Es ist 8.36 Uhr am 10. August 2016, als die zuständigen Revierpolizisten am sogenannten Auffindeort eintreffen. Ein Mann, der dort den Rasen mähen sollte, hatte den leblosen Körper entdeckt und die Beamten alarmiert.

Schnell stellen die Polizisten fest, dass es sich bei der gemeldeten "leblosen Person", um eine Frau handelt. Mittelgroß, mittelalt, eher schwer. Sie trägt T-Shirt und Jogginghose, die Sachen sind verrutscht. Eigentlich ist sie zu leicht bekleidet, war es doch am Abend zuvor mit 17 Grad eher kühl in Frankfurt am Main.

Als die Ermittler der 3. Mordkommission eintreffen, ist der Fundort bereits abgesperrt. Die Spurensicherung vom Kommissariat 34 klebt die Leiche komplett mit Folie ab. Faserspuren sollen gesichert werden. Als die Tote zum weiteren Abkleben auf den Bauch gedreht wird, fällt den Ermittlern ein Tattoo im Nacken auf. Ein Tribal, die Farben sind verblasst, Konturen und Ränder unscharf. Keine Profi-Arbeit.

"Markante Merkmale sind immer gut, um unbekannte Leichen zu identifizieren", sagt Shiervon Karem von der Frankfurter Mordkommission. Dennoch sind die Ermittler heute, sechs Monate nach dem Fund der Frauenleiche, noch nicht entscheidend weitergekommen.

Mehr als 3200 nicht identifizierte Leichen gibt es in Deutschland, in Frankfurt am Main sind es 17 - und drei von ihnen wurden Opfer eines Tötungsdelikts, so wie die Frau, die am Wasserauffangbecken abgelegt wurde.

Spuren stumpfer Gewalt

17 Gerichtsmediziner arbeiten am zuständigen Frankfurter Institut. Wenn ein Mensch in ihrer Region gewaltsam zu Tode kommt, sind sie die ersten, die den Leichnam untersuchen. Am 10. August 2016 hat Stefanie Plenzig Bereitschaftsdienst. Ihr fallen an der toten Frau diverse Operationsnarben auf - und, im Bereich des Oberkörpers, Spuren von Gewalt. Stumpfer Gewalt. Ob die Schläge auch zum Tod der Frau führten, ist bis heute ungeklärt.

"Wir haben dann noch einen Zahnstatus erhoben. Falls es Hinweise gibt, können wir so Identitäten klären", sagt die Gerichtsmedizinerin. Bei der Obduktion unbekannter Toter kann jedes Detail wichtig sein, das irgendwie auf die Identität hinweisen kann. Hat die Person gehinkt? Litt sie an einer Krankheit?

Im Fall aus Nieder-Eschbach haben die Fahnder nur wenige Hinweise. Die Tote war 40 bis 65 Jahre alt, ungepflegt, 1,72 Meter groß, mit 100 Kilogramm eher korpulent, die Haare angegraut. Im Oberkiefer fehlen fünf Zähne, alle verfault.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich sehr wahrscheinlich um zwei Täter handelt. Sie müssen ihr Opfer zu dem Wasserauffangbecken gebracht haben, denn es fanden sich Schleifspuren auf dem Rücken der Leiche. Niemand hat die Frau vermisst gemeldet. Möglicherweise, so haben es Rechtsmediziner ermittelt, stammt sie aus Osteuropa, lebte aber schon lange in Deutschland.

Die Mordermittler hoffen nun auf neue Hinweise aus der Bevölkerung. Hat sie jemand im Vorfeld oder in der Nacht vom 9. auf den 10. August gesehen? Für Hinweise ist eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt.


Mehr zu diesem und anderen Fällen: SPIEGEL TV Magazin, Sonntag 22:35 Uhr auf RTL



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.