Kronzeuge im Prozess gegen Alexander Falk "Deine Jungs taugen nichts"

Wollte Stadtplan-Erbe Alexander Falk einen Rechtsanwalt ermorden lassen? Vor Gericht schilderte nun der Kronzeuge, wie der Hamburger Millionär angeblich reagiert, wenn er seinen Willen nicht bekommt.

Der Angeklagte Alexander Falk zwischen seinen Verteidigern am Frankfurter Landgericht
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Der Angeklagte Alexander Falk zwischen seinen Verteidigern am Frankfurter Landgericht

Aus Frankfurt am Main berichtet


Es dürfte einer der wichtigsten Verhandlungstage im Verfahren gegen Alexander Falk sein. Einziger Zeuge an diesem verregneten Novembertag im Landgericht Frankfurt am Main: Etem E., der die Familie Falk jahrelang erpresst haben soll und seine Informationen schließlich dem Hamburger Landeskriminalamt anbot. Ohne ihn säße Falk nicht auf der Anklagebank und seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.

Für Alexander Falk, Erbe des größten deutschen Stadtplanunternehmens und als Multimillionär einst auf Platz 83 der Liste der reichsten Deutschen, steht viel auf dem Spiel. Der 50-Jährige ist angeklagt wegen Anstiftung zum Mord und zur gefährlichen Körperverletzung. Er soll im Jahr 2009 einen Mittelsmann mit der Tötung des Rechtsanwalts Wolfgang J. beauftragt haben. Dieser wurde am 8. Februar 2010 in Frankfurt-Harheim mit einem gezielten Schuss in den linken Oberschenkel verletzt.

"Herr Falk war aufgeregt und böse"

Falk habe bei einem Bekannten E.s in einem Steakhaus in Hamburg den Mord in Auftrag gegeben, behauptet Etem E. Er sei dabei gewesen, weil er damals der Bodyguard des Bekannten gewesen sei. "Herr Falk war aufgeregt und böse. Man hat ihm angesehen, dass ihn jemand richtig geärgert hat, dass er Hass auf jemanden hat." Falk habe einen Briefumschlag voller Geld "rübergeschoben" und konkrete Anweisungen gegeben, dass sein Bekannter sich ein neues Handy besorgen solle, mit dem sie in Zukunft kommunizieren könnten.

Auch bei einem anderen Treffen seines Bekannten will Etem E. anwesend gewesen sein. Dabei habe dieser dann "die Täter" gebrieft und ihnen 500-Euro-Scheine gegeben - insgesamt 50.000 Euro, als Anzahlung. Laut Kronzeuge Etem E. habe Falk für die Ausführung des Auftrags insgesamt 200.000 Euro versprochen, habe sie aber nach dem Überfall auf den Anwalt nicht zahlen wollen.

"Falk wollte nicht bezahlen, weil er nicht seinen Willen bekommen hat", behauptet der Kronzeuge. Falk sei unzufrieden gewesen, weil Wolfgang J. "nur angeschossen, aber nicht getötet" worden sei. Falk habe dem Bekannten eine SMS geschickt: "Deine Jungs taugen nichts." Er hätte besser jemand anderen beauftragen sollen.

Bilanzfälschung und gemeinschaftlicher Betrug

Falk hatte viele Jahre zuvor seine Firma Ision Internet AG für 812 Millionen Euro an das britische Telekommunikationsunternehmen Energis verkauft. Die Firma wurde jedoch zahlungsunfähig und zog vor Gericht: Falk soll den Umsatz der Firma mit Scheingeschäften aufgepumpt und sie zu einem überhöhten Preis verkauft haben.

Im Mai 2008 wurde Falk wegen versuchten gemeinschaftlichen Betrugs und Bilanzfälschung zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Wolfgang J., der Frankfurter Rechtsanwalt, soll ab 2003 an einer Zivilklage gegen Falk gearbeitet haben. In deren Verlauf laut Anklage ein zivilrechtlicher Arrestbefehl gegen Falk in Höhe von 30 Millionen Euro erlassen und durch Pfändungsmaßnahmen in seinem Vermögen vollstreckt wurde: Falks sämtliche Bankkonten, Geschäftsanteile sowie Luxusgüter wurden beschlagnahmt. Ein Motiv für einen Auftragsmord?

"Er hetzte Falk gegen mich auf"

Etem E. sagt, sein Bekannter habe nach dem Überfall auf Wolfgang J. die fehlenden 150.000 Euro für die beauftragten Täter vorschießen müssen und Falk schließlich in die Falle gelockt: In Istanbul habe der Bekannte mit seinem Bruder ein Treffen mit Falk mitgeschnitten, um ihn damit erpressen zu können.

Etem E. war eingeweiht. Als er das Kuvert mit einer CD des Mitschnitts bei Falk in den Briefkasten werfen sollte, habe er diese heimlich an sich genommen und kopiert. Als dies aufflog, befürchtete Etem E. Ärger mit seinem Bekannten. "Er hetzte Falk gegen mich auf", sagt Etem E. vor Gericht, er habe Angst gehabt.

Nur deshalb will Etem E. bei Falk zu Hause geklingelt, ihn beim Joggen an der Alster abgefangen haben. Von wegen Erpressung. Glaubt man Etem E., sei vielmehr er bedroht worden - und zwar von Falk. Der Millionär habe ihm gar einen Brief geschrieben mit dem zweifelhaften Rat: "Mach keinen Blödsinn. Wir sind stark, das weißt du."

In diesem Moment platzt Falks Verteidiger Björn Gercke der Kragen: "Ich habe mir den Blödsinn lange genug angehört!" Es bestehe der begründete Anfangsverdacht einer Falschaussage, sagt Gercke. Doch das Gericht fährt mit der Vernehmung fort.

Nach dem Anschlag auf den Rechtsanwalt hatten Ermittler über die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" nach einem Tatverdächtigen gefahndet. Der Arbeitgeber des Opfers hatte eine Belohnung von 100.000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens beitragen.

Etem E. sagt vor Gericht, er habe die 100.000 Euro bekommen. Er habe keine andere Lösung gesehen, als zur Polizei zu gehen. "Ich war in Gefahr. Ich habe keine Freunde mehr." Inzwischen befindet sich Etem E. nicht mehr im Zeugenschutzprogramm. Seine Befragung wird wohl am nächsten Verhandlungstag fortgeführt.

Es ist zu erwarten, dass die Verteidigung ihn in die Mangel nehmen wird. Falks Anwälte sind davon überzeugt, dass Etem E. ein "infamer Lügner und Betrüger" ist. Etem E. habe "in vier verschiedenen Vernehmungen vier verschiedene einander widersprechende Aussagen gemacht", sagt Gercke.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Etem E. befinde sich im Zeugenschutzprogramm. Tatsächlich befindet er sich inzwischen nicht mehr darin. Wir haben die Stelle im Text korrigiert.



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