Frankfurter Disco Türsteher müssen sich wegen Totschlags verantworten

Die Vorwürfe der Anklage wiegen schwer: Drei Türstehern einer Frankfurter Disco wird gemeinschaftlicher Totschlag zur Last gelegt. Die Männer sollen einen britischen Gast bewusstlos geprügelt und auf der Straße abgelegt haben, ohne sich um ihn zu kümmern.


Frankfurt am Main - Gut vier Monate nach dem gewaltsamen Tod eines Gastes in der Frankfurter Discothek U 60311 ist Anklage gegen drei Türsteher erhoben worden. Den Männern im Alter zwischen 29 und 35 Jahren werde gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit.

Die Angeklagten sollen einen 31-jährigen Briten am Boden fixiert, geschlagen und getreten haben. Als das Opfer bewusstlos war, sollen zwei Türsteher den Mann auf die Straße gelegt haben, ohne sich weiter um ihn zu kümmern. Er starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Die Ursache des tödlichen Streits ist auch nach den umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch unklar. "Die Lichtverhältnisse in der Diskothek waren sehr schlecht", sagte die ermittelnde Staatsanwältin Monique Schlapbach. Zur Tatzeit am Ostermontag gegen 6.15 Uhr befanden sich noch knapp 200 Gäste zur "Afterburner-Party" im U 60311.

Der Streit hatte sich ursprünglich zwischen einem 35-jährigen Türsteher und dem Briten entwickelt. Da der 35-Jährige bislang die Aussage verweigerte, sind die Ermittler auf Angaben der Gäste angewiesen, von denen rund 40 befragt wurden.

Andere Gäste durften nicht helfen

Laut Anklage hatte der Türsteher einen Gast von der Theke wegziehen wollen und war dabei gegen das spätere Opfer geprallt. Daraufhin soll es eine Schlägerei zwischen dem Mann und dem Briten gegeben haben, durch die der Gast zu Boden ging. Die zwei weiteren angeklagten Türsteher sollen dann zusätzlich noch auf den am Boden liegenden 31-Jährigen eingetreten haben. Einer der Türsteher soll dabei die Gäste durch Drohungen davon abgehalten haben, dem Opfer zu helfen.

Das Opfer erlitt aufgrund der massiven Gewalteinwirkung schwere innere Blutungen und konnte trotz sechs Operationen nicht gerettet werden. Die drei Türsteher sitzen seit dem Vorfall in Untersuchungshaft.

Infolge des brutalen Auftretens der Sicherheitsleute gab es heftige Kritik am Betreiber der Discothek. Sogar eine Schließung der bei Techno-Fans beliebten Disco in einer ehemaligen U-Bahn-Unterführung in Frankfurt wurde diskutiert.

Für den Prozess vor der 21. Strafkammer wurden auch drei Angehörige des Opfers als Nebenkläger zugelassen, darunter die Mutter des 31-Jährigen. Ein Termin für die Hauptverhandlung vor dem Frankfurter Landgericht steht noch nicht fest.

wit/dapd



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