Frankfurter Flughafen Bundespolizei überwältigt Bewaffneten

Schwere Sicherheitspanne am Frankfurter Flughafen: Mit einer Schreckschusspistole bewaffnet drang ein offenbar psychisch kranker Mann in den Ankunftsbereich des Airports vor - vermutlich durch die Gepäckausgabe. Der 29-Jährige wurde festgenommen.

Polizist am Frankfurter Flughafen (Archivbild): Bewaffneter drang in Ankunftsbereich vor
dapd

Polizist am Frankfurter Flughafen (Archivbild): Bewaffneter drang in Ankunftsbereich vor


Hamburg - Die Aufregung am Frankfurter Flughafen war groß: Am späten Mittwochnachmittag gelang es einem offenbar geistig verwirrten Mann, unbemerkt in den Ankunftsbereich des Flugsteigs C im Terminal 1 zu gelangen. Am Körper trug der 29-Jährige eine Schreckschusspistole des Typs Walther P 22, wie Armin Thiel, Sprecher der Bundespolizei, SPIEGEL ONLINE sagte.

Es wird vermutet, dass der Bewaffnete in einem unbeobachteten Moment über den Ausgang nahe der Gepäckausgabe in den Zollbereich auf Ebene 1 eindrang. Er erreichte laut Polizei die Passkontrolle für ankommende Reisende auf Ebene 2 des Terminals. Dort wurde er von vier Beamten aufgefordert, stehenzubleiben und unverzüglich umzukehren. Der Eindringling ignorierte jedoch die Anweisung und ging weiter in Richtung Transitbereich. Die Beamten riefen ihn erneut zurück, woraufhin er stehenblieb, sein T-Shirt hochhob und die Schreckschusspistole aus dem Hosenbund zog.

Er habe Probleme mit Kriminellen und Drogenhändlern, soll der Mann der Polizei anvertraut haben. Entgegen anders lautenden Berichten bedroht er die Polizisten jedoch nicht: "Er legte die Pistole vorsichtig auf den Boden", so Polizeisprecher Thiel. Die Beamten überwältigten daraufhin den 29-Jährigen und durchsuchten ihn auf weitere Waffen. Er versuchte zu fliehen, konnte aber gleich wieder eingefangen werden.

Der Mann, der aus der Kreisstadt Dietzenbach südöstlich von Frankfurt stammt, wurde festgenommen und soll an diesem Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen ihn wird wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, das Betäubungsmittelgesetz und Luftsicherheitsgesetz ermittelt. Laut Polizei wurde bei ihm "eine kleinere Menge Kokain" gefunden. Der 29-Jährige soll bereits mehrere Psychiatrie-Aufenthalte hinter sich haben und wird derzeit ein einer Einrichtung psychologisch betreut. Im Pkw des Tatverdächtigen fand die Polizei einen Krummdolch, der bei dem Vorfall aber nicht zur Anwendung kam.

Spekulationen über den Weg des Tatverdächtigen

Der Mann ist polizeibekannt. Ihm wurden in der Vergangenheit unter anderem Diebstahl, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Körperverletzung vorgeworfen, allerdings kein Schusswaffengebrauch.

Ob der Vorfall Konsequenzen für das Sicherheitskonzept am Flughafen Frankfurt haben werde, wollte SPIEGEL ONLINE vom Betreiber des Airports wissen. Dazu könne man noch nichts sagen, sagte Fraport-Sprecherin Stefanie Wagener: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, nachzuzeichnen, wie es dem 29-Jährigen überhaupt gelingen konnte, in den Bereich der Gepäckausgabe zu gelangen." Sie betonte jedoch, dass der Mann nicht im Sicherheitsbereich gewesen sei.

Der Sicherheitsbereich befindet sich jenseits der Passkontrolle, an der der Mann gestoppt wurde. Diesseits der Kontrolle sei der Zollbereich mit den Gepäckausgaben, erklärte ein Fraport-Sprecher. Zwar sei das Areal für Nichtpassagiere gesperrt, aber es gebe dort keine Sicherheitsschleusen.

Mit einem Passagieraufkommen von etwa 53 Millionen Menschen im Jahr ist der Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt mit Abstand der größte in Deutschland und der drittgrößte in Europa. Erst am Wochenende hatte eine technische Panne bei der Sicherheitsüberprüfung von Mitarbeitern am Frankfurter Flughafen für Kritik gesorgt. Etwa 10.000 zu überprüfende Datensätze seien zeitweilig wegen eines Datenstaus nicht angezeigt worden, hieß es. Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) versicherte, dass die Sicherheit deswegen nicht gefährdet gewesen sei. Die Fraktionen von SPD und Grünen forderten Aufklärung im Landtag.

Seit mehreren Jahren steht der Frankfurter Flughafen immer wieder wegen Sicherheitsmängeln in der Kritik. Wegen offenkundiger Schlampereien rügte die Frankfurter Staatsanwaltschaft in der Vergangenheit die Arbeit des Zolls. In der Terrorbekämpfung schnitten die Fraport-Sicherheitsbeauftragten bei einer Kontrolle im Jahr 2006 schlecht ab, weil sie bei einem Testlauf noch nicht einmal zwei Drittel der Bombenattrappen und Waffen fanden. Im November 2006 gelang es ZDF-Reportern, im Transitbereich des Frankfurter Flughafens aus mitgebrachtem Kunstdünger und Waren aus dem Duty-Free-Shop einen Sprengsatz herzustellen.

ala/dapd



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Kurt aus Kienitz, 26.05.2011
1. Wenn er eine ...
Zitat von sysopSchwere Sicherheitspanne am Frankfurter Flughafen: Mit einer Schreckschusspistole bewaffnet*drang ein offenbar psychisch kranker Mann in den Ankunftsbereich des Airports vor. Der 29-Jährige wurde festgenommen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,765036,00.html
... Nagelschere dabei gehabt hätte, dann währe er nicht durch die Sicherheitskontrolle gekommen, so viel ist mal sicher ;-)
manda chuva 26.05.2011
2. ...
Zitat von Kurt aus Kienitz... Nagelschere dabei gehabt hätte, dann währe er nicht durch die Sicherheitskontrolle gekommen, so viel ist mal sicher ;-)
sicher....so sicher, wie zb. jedesmals - unbeabsichtigterweise - ein mittleres messer der marke boeker ohne mucken durch die handgepaeckscanner von xxx-yyy und yyy-xxx laeuft ;=) mein fazit ueber die allgemeneinen sicherheitschecks: in grossen teilen unfreundlich, in grossen teilen martialisch - gerade die dort angestellten frauen, die sich dort oefter ganz schoen groessenwahsinnig auffuehren, in weiten teilen unprofessionell und laecherlich: es sind einfache fremdfirmen! was machen? gottvertrauen darauf, dass ANDERE fluggaeste nicht "vergessen", solche artikel nicht ins handgepaeck mitzunehmen oder wenigstens in den koffer sperren.
renner, 26.05.2011
3. Bundespolizei
Na so löst sich auch das Benzinproblem die Täter kommen einfach dahin wo schon Polizei ist
regierungs4tel 26.05.2011
4. Was heißt denn "in einem unbeobachteten Moment"?
An den automatischen Türen vom Gepäckband zur Ankunftshalle in Frankfurt beobachtet in der Regel überhaupt niemand, obwohl wir bundesweit seit Schengen Tausende unterbeschäftigter Zollbeamter haben. Dass ich dann aber meine handelsübliche 125 ml Zahnpasta-Tube abgeben muss, weil nur 100 ml erlaubt sind, ist - nicht nur in diesem Zusammenhang - eine bodenlose Frechheit.
Gani, 26.05.2011
5. Dummschwätz
Was heisst denn hier "Panne"? Auf dem Weg dorthin wo der Mann aufgegriffen wurde, gibt es keine Kontrollen - und das ist eigentlich völlig normal. Oder kann sich hier einer den Aufschrei vorstellen, wenn Leute die ihre Angehörigen abholen wollen, gefilzt werden? Der Mann is da hängen geblieben wo Kontrollen beginnen, das aktuelle System hat also funktioniert.
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