Frankreich 17-Jähriger mit Schüssen aus Kalaschnikow getötet

Er soll schon am Vorabend mit dem Tod bedroht worden sein: Ein Jugendlicher in Marseille ist mit sieben Schüssen aus einer Kalaschnikow getötet worden. Das Opfer war in der Vergangenheit als Kleinkrimineller aufgefallen - Ermittler fanden bei der Leiche eine Maschinenpistole.

Tatort in Marseille: Ermittler gehen von Tat im Drogenmilieu aus
AFP

Tatort in Marseille: Ermittler gehen von Tat im Drogenmilieu aus


Marseille - In der südfranzösischen Hafenstadt Marseille haben Unbekannte einen 17-Jährigen mit sieben Schüssen aus einer Kalaschnikow getötet. Der Jugendliche wurde am frühen Donnerstagmorgen in einem der sozialen Brennpunkte im Norden der Stadt erschossen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach Erkenntnissen der Polizei wurde ihm im Treppenhaus seiner Wohnung aufgelauert.

Die Fahnder gehen davon aus, dass es sich um eine Vergeltungstat im Dealermilieu handelte. Das Opfer sei in der Vergangenheit durch Diebstähle und kleinere Drogendelikte aufgefallen, bei seiner Leiche habe sich eine Maschinenpistole befunden. Nach Angaben der Polizei sagte ein Zeuge aus, der Jugendliche sei am Vorabend bei einem Streit mit dem Tod bedroht worden.

Dies sei bereits "der zehnte Vergeltungsakt" in Marseille seit Jahresbeginn, sagte Staatsanwalt Jacques Dallest. Hinzu kämen rund 30 versuchte Racheanschläge. Als Hintergrund vermuten die Fahnder Streitereien zwischen rivalisierenden Banden. Allein seit Anfang Dezember starben in der Stadt am Mittelmeer drei Menschen bei Schießereien. Unter ihnen war ein mutmaßlicher Einbrecher, der bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet wurde. Ein Polizist wurde dabei lebensgefährlich verletzt, er starb einige Tage später.

In Frankreich häufen sich seit Monaten gewalttätige Serieneinbrüche. Immer wieder kommt es zu Verfolgungsjagden mit der Polizei, bei denen auch geschossen wird. Die Staatsanwältin der südfranzösischen Region Aix-en-Provence, Dominique Moyal, sprach wegen der schweren Waffen bereits von "Kriegshandlungen".

Marseille ist Frankreichs zweitgrößte Stadt. Öffentlichkeit und Sicherheitskräfte sind angesichts der jüngsten Häufung der brutalen Taten beunruhigt; zumal es scheint, als ob automatische Waffen wie die AK-47 zunehmend selbstverständlich benutzt würden. Schon im vergangenen Jahr hatten sich die örtlichen Behörden über die "Banalisierung bei der Benutzung von Sturmgewehren" besorgt gezeigt. Ein Grund für die Aufrüstung: Automatische Waffen wie die Kalaschnikow werden immer billiger.

ulz/AFP/dpa



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