Frankreich 50 Insassen fliehen aus brennendem Einwanderer-Gefängnis

Durch die Flammen in die Freiheit: 50 Inhaftierte sind aus einem Gefängnisse für illegale Einwanderer nahe Paris geflohen, als ein Feuer ausbrach. Die Insassen sollen den Brand vorsätzlich gelegt haben, um gegen den Tod eines Mitgefangenen zu protestieren.


Paris - In einem Haftzentrum für illegal Eingewanderte in Frankreich haben Insassen ein Feuer zur Flucht genutzt. "50 Gefangene gelten noch als vermisst", teilte die Polizei in Paris mit. Bei den Geflüchteten handelt sich demnach um illegale Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten.

Brennendes Einwanderer-Gefängnis nahe Paris: Mehr als 50 Inhaftierte konnten fliehen
AFP

Brennendes Einwanderer-Gefängnis nahe Paris: Mehr als 50 Inhaftierte konnten fliehen

Durch das Feuer wurden zwei Gebäude des Gefängnisses in Vincennes bei Paris zerstört, in denen laut Polizei 273 Menschen festgehalten wurden. Die Insassen sind demnach evakuiert worden, keiner der Betroffenen soll schwere Verletzungen erlitten haben. 20 Personen, Gefangene wie Aufseher, wurden jedoch ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie zuviel Rauch eingeatmet hatten. Die übrigen Häftlinge wurden zunächst in der Turnhalle einer nahegelegenen Polizeiwache untergebracht.

Die Polizei geht davon aus, dass die Gefangenen den Brand absichtlich gelegt haben, um gegen den Tod eines Tunesiers in dem Gefängnis zu protestieren. Den Angaben zufolge zündeten die Insassen in mehreren Räumen des Haftzentrums Matratzen an.

Der 41-jährige Tunesier war am Samstag gestorben. Die Polizei erklärte, er sei einem Herzinfarkt erlegen. Demnach war er zum Zeitpunkt seines Todes allein in seiner Zelle. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Die Menschenrechtsorganisation MRAP machte die miserablen Bedingungen in den Abschiebezentren für den Tod des Mannes verantwortlich. Sie warf der Regierung eine grausamen, brutale und unmenschliche Politik und die Kriminalisierung von Einwanderung vor. Frankreich will in diesem Jahr 26.000 Immigranten abschieben, die illegal eingereist sind.

tno/AFP/AP/Reuters



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