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04. Juni 2013, 19:52 Uhr

Prozess in Bordeaux

Hochstapler-Guru zu zehn Jahren Haft verurteilt

Thierry T. brachte eine französische Adelsfamilie unter seine Kontrolle - und um ihr gesamtes Hab und Gut. Nun ist der Hochstapler in Bordeaux zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte sich als Guru und Geheimagent ausgegeben.

Bordeaux - Ein französisches Berufungsgericht hat Thierry T. schuldig gesprochen. Der Hochstapler muss nun für zehn Jahre ins Gefängnis. Das Gericht in Bordeaux erhöhte die Strafe aus der ersten Instanz um zwei Jahre und verhängte damit die Höchststrafe gegen den Angeklagten. Der Anwalt des 49-Jährigen schloss eine Beschwerde vor dem Kassationsgerichtshof nicht aus.

Begonnen hatte der Fall im Jahr 1999: Thierry T. lernte damals die Adlige Ghislaine de Védrines kennen, die ihn seiner Familie vorstellte. Dem als Guru bekannt gewordenen Mann gelang es, sich das Vertrauen auch der anderen Mitglieder der protestantischen Adelsfamilie zu erschleichen. Dabei machte er seinen Opfern vor, er sei ein Geheimagent mit der Aufgabe, sie vor einem Freimaurerkomplott zu beschützen.

Elf Mitglieder der Adelsfamilie ließen sich zwischen 2001 und 2009 vollkommen von T. manipulieren. Sie zogen sich jahrelang auf das Familienschloss im südwestfranzösischen Monflanquin zurück. Ghislaine de Védrines' Mann, der nicht an die Geschichten des Hochstaplers glaubte, wurde von dem Clan ausgeschlossen. Im Laufe der Jahre verkaufte die Familie für den Guru ihren Besitz, darunter auch ihr imposantes Schloss.

Ein Ende fand der Alptraum für die Familie erst, als drei ihrer Mitglieder sich dem Einfluss der Gehirnwäsche entzogen und die Polizei benachrichtigten. T. wurde im Oktober 2009 in der Schweiz festgenommen und anschließend nach Frankreich ausgeliefert. Er gab an, den Großteil der erbeuteten rund 4,5 Millionen Euro an Jacques G. gegeben zu haben. Dieser war in erster Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

wit/AFP

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