Missbrauch in katholischer Kirche Französischer Kardinal wegen Vertuschung verurteilt

Er deckte einen Priester, der sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben soll: Das Gericht von Lyon hat einen französischen Kardinal zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Philippe Barbarin
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Philippe Barbarin


Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, ist in Frankreich wegen Missbrauchsvertuschung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Gericht in Lyon sprach ihn schuldig, weil er Fälle sexueller Übergriffe auf Minderjährige nicht angezeigt habe. Barbarins Anwälte kündigten an, in Berufung zu gehen.

Das Urteil kommt überraschend, die Staatsanwaltschaft hatte keine Verurteilung gefordert - unter anderem, weil ein Teil der Tatbestände verjährt sei. Kardinal Barbarin und fünf weiteren Geistlichen wurde vorgeworfen, Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester nicht weiter verfolgt zu haben. Dieser soll in den 1980er Jahren gegen Dutzende Kinder übergriffig geworden sein. Kardinal Barbarin wusste laut Anklage spätestens seit 2000 von den Vorgängen.

Ein Opferverein hatte das Verfahren angestrengt, das im Januar begann. "Ich habe niemals versucht, diese schrecklichen Taten zu verheimlichen und noch weniger, sie zu decken", sagte Barbarin während des Prozesses.

2016 hatte er bei einem Treffen von Bischöfen in Lourdes gesagt, die Mehrheit der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs seien "Gott sei Dank" verjährt. "Ich habe es in der Vergangenheit nicht immer verstanden, die besten und passendsten Wörter zu nutzen", sagte er vor Gericht.

sen/AFP/AP/dpa

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