Frankreich Mutter gesteht Tötung von acht Neugeborenen

Ein erschütterndes Verbrechen hat sich offenbar in dem kleinen Dorf Villers-au-Tertre in Nordfrankreich zugetragen. Dort hat eine Frau gestanden, acht Neugeborene erstickt, in Tüten verpackt und verborgen zu haben.

dpa

Villers-au-Tertre - Die Nachbarn hielten das Ehepaar C. für "zuvorkommende, hilfsbereite und höfliche" Leute. Nun stehen Dominique C. und ihr Mann Pierre-Marie im Mittelpunkt eines Verbrechens: Die etwa 45 Jahre alte Krankenpflegerin hat gestanden, acht Babys nach deren Geburt erstickt und die Leichen auf ihrem Grundstück verborgen zu haben. Ob dies mit Wissen des Ehemanns geschah, ist noch unklar, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Er kam nicht wie seine Frau in Untersuchungshaft, stehe unter Schock und spreche nur wenig, hieß es in Ermittlerkreisen.

Die Leichen der Kinder wurden seit Samstag in dem nordfranzösischen Dörfchen Villers-au-Tertre entdeckt. Gegen Dominique C. wurde Haftbefehl erlassen.

Im Verhör habe die Frau das Verbrechen mit ihrer Abneigung gegen Mediziner erklärt. Nach "negativen Erfahrungen" habe sie mit Ärzten nichts mehr zu tun haben wollen, erklärte Staatsanwalt Eric Vaillant auf einer Pressekonferenz. "Sie sagte, dass sie zwar keine Kinder mehr wollte, aber auch keinen Mediziner wegen Verhütungsmitteln habe konsultieren wollen", so Vaillant. "Sie war sich jedes Mal der Tatsache voll bewusst, dass sie schwanger war."

Dominique C. erstickte die Babys jeweils nach der Geburt, steckte die Leichen in Plastiktüten. Zwei vergrub sie im Garten des Grundstücks ihrer Eltern, sechs verbarg sie in der Garage auf ihrem Grundstück.

In dem rund 620-Seelen-Dorf löste der Fall Entsetzen und Fassungslosigkeit aus. Nachbarn beschreiben die C.s als ein "Paar ohne Probleme", Eltern zweier erwachsener Töchter, die selbst schon Kinder haben.

Dominique C., eine Krankenpflegerin, sei eine "diskrete" Frau, die "keiner Fliege etwas zu Leid tun könnte", meint eine Jugendliche. Eine Nachbarin beschreibt die Frau als "sehr nett, immer lächelnd". Dominique C. habe ihr wiederholt bei der Pflege ihres Vaters geholfen, fügt sie hinzu.

Pierre-Marie C. arbeitet bei einer Baufirma als Zimmermann und ist zudem seit mehr als zehn Jahren Mitglied im örtlichen Gemeinderat. "Ein respektabler Mann", betont Bürgermeister Patrick Mercier.

Ins Rollen waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft am Samstag gekommen, als ein Einwohner des Dorfes beim Umgraben im Garten seines Hauses in Mülltüten die sterblichen Überreste von zwei Babys fand. Das Haus gehörte früher den Eltern von Dominique C., sie hatten es vor rund zwei Jahren verkauft. Polizisten durchsuchten daraufhin mit Spürhunden auch das Anwesen, das Dominique C. mit ihrem Mann bewohnt. Dort fanden sie bis Dienstag sechs weitere Babyleichen.

Niemandem in dem Dorf sei etwas aufgefallen, versichert Bürgermeister Mercier. Allerdings sei Dominique C. stark übergewichtig. Es sei daher denkbar, dass Schwangerschaften nicht bemerkt wurden. Der Pfarrer der Gemeinde, Robert Meignotte, zündete vor dem Haus des Paares acht Kerzen an. "Ich denke an diese Kleinen, die nicht darum gebeten hatten, geboren und dann weggeworfen zu werden", sagt er sichtlich bewegt.

Ähnliche Fälle von Kindstötungen haben in Frankreich wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Im Juni vergangenen Jahres wurde eine 41 Jahre alte Französin zu acht Jahren Haft verurteilt, weil sie zwischen 1999 und 2003 drei Babys nach der Geburt getötet und die Leichen in Gefriertruhen versteckt hatte. Sie sagte vor Gericht aus, sie habe sich die Schwangerschaften selbst nicht eingestanden, ihr Mann habe davon nichts bemerkt.

Im Oktober 2007 waren in der Ortschaft Valognes im Nordwesten Frankreichs in einem Keller die Leichen von sechs Neugeborenen gefunden worden. Die heute 38 Jahre alte Mutter gestand, die Kinder zwischen 2000 und 2007 getötet zu haben. Eine Erklärung für ihre grausamen Taten konnte auch sie vor Gericht nicht liefern: "Ich würde es gerne selbst verstehen, aber ich kann es nicht."

Vor fünf Jahren hatte ein ähnlicher Fall in Deutschland für Aufsehen gesorgt: Auf einem Grundstück im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd wurden 2005 die Überreste von neun Kleinkindern in Blumenkübeln gefunden. Die damals 39-Jährige Mutter hatte über fast zehn Jahre neun ihrer 13 Kinder direkt nach der Geburt sterben lassen und die Leichen dann versteckt. Das Gericht verurteilte sie zu 15 Jahren Haft wegen Totschlags durch Unterlassen.

pad/AFP/apn/AP



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