Rassismusverdacht in Frankreich Ermittlungen gegen Polizisten nach Gewalt gegen schwarzen Musikproduzenten

In Frankreich sollen Polizisten einen schwarzen Musikproduzenten in seinem Studio rassistisch beleidigt und geschlagen haben. Gegen vier Beamte werden nun Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Protest gegen das neue Sicherheitsgesetz in Nantes am Freitag

Protest gegen das neue Sicherheitsgesetz in Nantes am Freitag

Foto: Estelle Ruiz / imago images/Hans Lucas

In Frankreich wird nach einem brutalen Polizeieinsatz gegen einen schwarzen Musikproduzenten gegen vier Beamte ermittelt. Zwei von ihnen seien in Untersuchungshaft, zwei weitere unter Auflagen aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden, berichten die Nachrichtenagenturen dpa und AFP übereinstimmend unter Berufung auf Justizkreise.

Ein am Donnerstag veröffentlichtes Video des Vorfalls hatte landesweit für Empörung und Proteste gesorgt. Darin ist zu sehen, wie mehrere Polizisten den Musikproduzenten Michel Zecler im Eingang seines Studios mit Schlägen massiv attackieren. Wenig später fliegt eine Tränengaskartusche in das Studio. Das Video habe den französischen Präsidenten Emmanuel Macron »sehr schockiert«, wie sein Büro mitteilte. Macron habe klare Sanktionen verlangt.

Drei Beamten werden nun unter anderem rassistische Gewalt durch Amtspersonen, Hausfriedensbruch und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Dem vierten Beamten werden etwa Gewalt durch Amtspersonen und Sachbeschädigung zur Last gelegt. Einer der Polizisten soll eine Tränengasgranate in das Gebäude geworfen haben, in dem der Übergriff stattfand.

Am Sonntagabend hatte die Pariser Staatsanwaltschaft gefordert, Ermittlungsverfahren gegen die Beamten zu eröffnen. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin hatte die Entlassung der Polizisten gefordert, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Sie hätten »die Uniform der Republik beschmutzt«. Er selbst soll sich nun unter wachsendem politischen Druck noch am Montag in der Nationalversammlung zu den Vorfällen erklären.

Vorfall befeuert Debatte über neues Sicherheitsgesetz

Der Angriff auf den Musikproduzenten ist bereits der zweite Fall von Polizeigewalt, der in der vergangenen Woche in Frankreich für Entsetzen und massive Kritik gesorgt hat. Am vergangenen Montag zirkulierten Videos einer brutalen Räumung eines provisorischen Zeltlagers von Migranten auf dem Pariser Place de la République. Auch hier laufen Untersuchungen.

Die Vorfälle haben die ohnehin schon heftige Debatte über ein geplantes Sicherheitsgesetz in Frankreich weiter angeheizt. Das Gesetz soll laut Regierung die Polizei besser schützen. Besonders umstritten ist dabei ein Artikel, der die Veröffentlichung von Bildern von Sicherheitsbeamten im Einsatz unter Strafe stellt, wenn diese mit dem Ziel erfolgt, die körperliche oder seelische Unversehrtheit der Polizisten zu verletzen. Eine Gefängnisstrafe von einem Jahr oder eine Strafe von 45.000 Euro könnten die Konsequenz sein. Das Unterhaus hat dem Vorhaben bereits zugestimmt, nun muss der Senat entscheiden.

In einem Protokoll hatten die vier Polizisten angegeben, der Produzent habe auf der Straße keine Corona-Schutzmaske getragen und sei dann übergriffig geworden. Die Videobilder zeigen jedoch nur, wie die Polizisten den Produzenten ins Gesicht schlagen, ihn treten und mit dem Schlagstock traktieren. Zecler selbst sagte, die Polizisten hätten ihn ohne Grund angegriffen. »Sie sagten mehrfach ›dreckiger Neger‹ und prügelten dabei auf mich ein«, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Auch Fußballstars wie Antoine Griezmann und Kylian Mbappé zeigten sich entsetzt über die Videoaufnahmen.

Am Wochenende waren landesweit mehr als 100.000 Menschen durch die Straßen gezogen, um gegen das geplante Gesetz sowie Polizeigewalt zu demonstrieren. Allein in Paris waren es laut Innenministerium 46.000. Die Veranstalter sprachen von insgesamt 500.000 Demonstranten und 200.000 in der Hauptstadt. Bei dem teils gewaltsamen Protest war ein Fotograf in Paris brutal ins Gesicht geschlagen worden. Die Polizei ermittelt, ob hierfür Beamte verantwortlich waren.

apr/dpa/AFP
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