Ermittlungen gegen Beckenbauer Was ist Geldwäsche? Was ist Untreue?

Die Schweizer Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen Franz Beckenbauer eingeleitet. Um welche Straftatbestände geht es? Welche Strafen drohen? Der Überblick.

DPA

Was ist Geldwäsche?

Große Geldflüsse lassen sich meistens zurückverfolgen. Geld, das aus kriminellen Machenschaften stammt, kann daher nicht ohne weiteres in Umlauf gebracht werden. Versucht jemand trotzdem, dieses Geld in den Finanz- und Wirtschaftskreislauf einzubringen und so zu legalisieren, spricht man von Geldwäsche (in der Schweiz: Geldwäscherei). Das gilt auch für andere Vermögenswerte wie Wertpapiere oder Gold.

Ziel der Geldwäsche ist es zum einen, die Herkunft des Vermögens zu verschleiern und so zu verhindern, dass die Behörden es beschlagnahmen können. Zum anderen dient die Geldwäsche auch dem Zweck, die eigentliche kriminelle Handlung, durch die das Geld erworben wurde, zu verbergen. Denn oft können gerade Erträge aus Straftaten den Behörden als Ansatzpunkt für Ermittlungen dienen.

Wie ist die Gesetzeslage in der Schweiz?

Nach Artikel 305bis des schweizerischen Strafgesetzbuches macht sich jemand der Geldwäscherei schuldig, wenn er "eine Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Ermittlung der Herkunft, die Auffindung oder die Einziehung von Vermögenswerten zu vereiteln" - sofern der Handelnde weiß oder "annehmen muss", dass diese Vermögenswerte aus einer kriminellen Aktivität stammen.

Welche Strafen drohen?

Nach Artikel 305bis des Strafgesetzbuches droht Geldwäschern eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Stellt das Gericht einen besonders schweren Fall fest, drohen sogar bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine sehr hohe Geldstrafe (bis zu 500 Tagessätze).

Auch wenn die eigentliche Haupttat, also die kriminelle Handlung, durch die das "gewaschene" Geld erworben wurde, im Ausland begangen wurde, wird der Täter gemäß Artikel 305bis 3 in der Schweiz bestraft. Dieser Zusatz macht deutlich, dass Geldwäsche oft ein grenzüberschreitendes Verbrechen ist und nicht selten Devisen, also ausländische Währungen, genutzt werden.

Was ist Untreue?

Mit dem Begriff Untreue verbinden viele Leute einen Vertrauensbruch in einer Partnerschaft. Der ist zwar verletzend, aber nicht strafbar. Um einen Vertrauensbruch geht es auch bei der Untreue im strafrechtlichen Sinn. In der Schweiz spricht man von Veruntreuung. Jemand macht sich strafbar, indem er etwas, das ihm anvertraut wurde, nicht wie verabredet verwendet. Meist nutzt der Täter die anvertraute Sache zum eigenen Vorteil.

Wie ist die Gesetzeslage in der Schweiz?

Artikel 138 des schweizerischen Strafgesetzbuchs unterscheidet zwischen Veruntreuung von Sachen und Vermögenswerten. Bei Vermögenswerten gilt, nach Artikel 138 Ziffer 1 Absatz 2, dass sich jemand strafbar macht, wenn er "ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmäßig in seinem oder eines anderen Nutzen verwendet." Jemand überlässt also einem anderen zum Beispiel Geld für einen bestimmten Zweck, dieser verwendet es aber anders und hat dadurch für sich selber oder andere einen Nutzen.

Welche Strafen drohen?

Wird jemand in der Schweiz wegen Veruntreuung von Vermögen verurteilt, droht ihm eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Deutlich höher kann die Strafe ausfallen, wenn der Täter beispielsweise Mitglied einer Behörde ist. Dann drohen bis zu zehn Jahre Haft.


Lesen Sie auch unseren Report: Schweizer Justiz ermittelt gegen Beckenbauer wegen Geldwäsche und Untreue

cvn



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