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17. Oktober 2014, 15:17 Uhr

Praktikantin verliert vor Gericht

Acht Monate im Supermarkt schuften, 0 Euro Lohn

Acht Monate arbeitete eine junge Frau in einem Supermarkt als Praktikantin und erhielt dafür keinen Cent. Das ist rechtens, hat nun das Landesarbeitsgericht Hamm entschieden.

Hamm - Eine ehemalige Praktikantin ist vor dem Landesarbeitsgericht Hamm mit dem Versuch gescheitert, Arbeitslohn für ihr achtmonatiges Engagement in einem Supermarkt zu erstreiten. Das Gericht wies die Klage der jungen Frau zurück. Damit revidierte es ein Urteil des Arbeitsgerichts Bochum. Das hatte der Frau im März noch gut 17.000 Euro zugesprochen. Rewe trennte sich wenig später vom Leiter der Filiale und kündigte Konsequenzen aus dem Fall an.

Die Frau hatte von Oktober 2012 bis Juli 2013 in einem Rewe-Markt ein Praktikum gemacht. Vor Gericht argumentierte sie, sie habe insgesamt 1728 Stunden und 15 Minuten in dem Supermarkt gearbeitet. Dabei habe nicht die Ausbildung, sondern die Arbeitsleistung im Vordergrund gestanden. Ihre Tätigkeit müsse daher in Anlehnung an die Tarifregelungen im NRW-Einzelhandel mit zehn Euro pro Stunde entlohnt werden.

Die Bochumer Richter folgten dieser Argumentation und verurteilten den Arbeitgeber zu einer Nachzahlung von 17.281,50 Euro. Vor dem Landesarbeitsgericht hatte das Urteil nun keinen Bestand. Die Frau habe keinen Anspruch auf Zahlung von Arbeitsentgelt, da zwischen den Parteien kein Arbeitsverhältnis begründet worden sei, urteilten die Richter.

Zwar habe die Klägerin zumindest teilweise reguläre Arbeit gemacht. Dies sei allerdings "im Rahmen eines sozialversicherungsrechtlich geprägten Praktikantenverhältnisses" geschehen. Die Klägerin habe das Praktikum als Teilnehmerin einer berufsvorbereitenden Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit absolviert und in dieser Zeit Leistungen der Arbeitsagentur erhalten. Die Revision ließ das Landesarbeitsgericht nicht zu.

Die Frau hatte im Oktober 2012 mit einem einmonatigen Schnupperpraktikum begonnen. Dieses verlängerte der Supermarkt mehrfach um einen Monat, immer ohne Bezahlung - und immer mit einer Lehrstelle als Köder. Nach gut vier Monaten, am 6. März 2013, schlossen die Klägerin und die Rewe-Filiale einen Ausbildungsvertrag, gültig ab dem 1. September 2013. Bis dahin sollte sie weiter unentgeltlich arbeiten. Irgendwann wollte die Frau sich nicht mehr ausbeuten lassen - und nahm sich einen Anwalt.

Urteil Landesarbeitsgericht: Az. 1 Sa 664/14

Urteil Arbeitsgericht: Az: 2 Ca 1482/13

ulz/AFP

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