Gedenkmarsch in Baltimore Tausende fordern Gerechtigkeit für Freddie Gray

Wurde der Afroamerikaner Freddie Gray in Polizeigewahrsam misshandelt? Tausende fordern Aufklärung in dem Fall. Bei einem Protestmarsch eskalierte nun die Wut, es kam zu Ausschreitungen.


Bei Protesten nach dem Tod eines Schwarzen in Polizeigewahrsam ist es am Samstag zu Krawallen in der US-Großstadt Baltimore gekommen. Die Polizei nahm zwölf Menschen fest.

Zunächst hatten rund 2000 Menschen an einem friedlichen Trauermarsch in Gedenken an den 25-jährigen Freddie Gray teilgenommen. Die Demonstration war zunächst mit einigen Hundert Teilnehmern in dem Wohnblock gestartet, in dem Gray festgenommen wurde. Im Laufe des Marsches schwoll die Zahl der Teilnehmer immer weiter an.

Die Menge marschierte zum Rathaus in Baltimore und forderte Gerechtigkeit für den jungen Mann, der unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Redner forderten US-Präsident Barack Obama auf, eine nationale Untersuchung zu Polizeigewalt einzuleiten. "Das muss aufhören. Das muss wirklich aufhören, denn es hätte jeder von uns sein können", sagte ein entfernter Verwandter Grays.

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Polizeigewalt gegen Schwarze in USA: "Gewalt bringt keine Gerechtigkeit"
Bei Einbruch der Dunkelheit zogen jedoch einige Dutzend Demonstranten zum Camden-Yards-Baseballstadion weiter. Dort eskalierte die Lage. Örtliche Fernsehsender zeigten Hubschrauberaufnahmen von der Menge, die Flaschen und Mülleimer auf Polizisten warf. "Die Demonstranten schmeißen jetzt Fenster ein und werfen Gegenstände auf uns", erklärte die Polizei von Baltimore im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Randalierer schlugen auch die Schaufenster von Geschäften ein, plünderten einen kleinen Supermarkt und blockierten Straßenkreuzungen, wie der Sender WBAL berichtete. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass die Scheiben von fünf Polizeiwagen zerstört wurden, bevor Spezial-Sicherheitskräfte einschritten. Laut Polizei wurden ein Polizist und zwei weitere Menschen verletzt.

Grays Zwillingsschwester Fredericka wandte sich nach dem Tod ihres Bruders erstmals an die Demonstranten. "Bitte, bitte hört auf mit der Gewalt. Freddie würde das nicht wollen", sagte sie an der Seite von Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. "Gewalt bringt keine Gerechtigkeit." Auch Bürgermeisterin Rawlings-Blake rief die Protestierenden zur Ruhe auf. Sie sei "tief enttäuscht" über die Unruhen, für die sie eine "kleine Gruppe von Agitatoren" verantwortlich machte.

Gray war am 19. April, eine Woche nach seiner Festnahme, an Rückenmarksverletzungen gestorben. Der genaue Hergang der Ereignisse vom 12. April ist noch unklar, möglicherweise wurde der Afroamerikaner aber von Polizisten misshandelt. Auf einem Handy-Video von Zeugen ist zu sehen, wie die Beamten Gray auf einem Gehweg festhalten, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Rund eine Stunde später wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er ins Koma fiel.

Zuletzt hatte die Polizei eingeräumt, dass Gray sofort nach seiner Festnahme ärztliche Hilfe gebraucht hätte. Dies sei nicht geschehen, sagte Polizeivertreter Kevin Davis, der die Ermittlungen zu dem Fall leitet.

Sechs Beamte wurden inzwischen vom Dienst suspendiert. In einem Polizeibericht hatte es zunächst geheißen, die Festnahme sei ohne Gewaltanwendung verlaufen. Gray war der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden.

Nach dem Tod des jungen Mannes gab es täglich Proteste in Baltimore, bei denen die vollständige Aufklärung von Grays Tod gefordert wurde. Am Montag soll sein Leichnam beigesetzt werden.

gam/AFP/Reuters

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neanderspezi 26.04.2015
1. Der tödliche Zugriff hat bei den US-Cops gegenüber Afroamerikanern inzwischen doch etwas an Perfektion gewonnen
Bei dieser Ingewahrsamnahme des Afroamerikaners Freddie Gray durch die Polizei in Baltimore, die völlig unerwartet zu einer schweren Rückenmarksverletzung führte und zu einer unerwarteten Verabschiedung des Festgenommenen ins Koma und in den Tod, wird für die um Aufklärung bemühte Bevölkerung ein unaufgeklärtes Ereignis bleiben, es fehlen nun mal die nötigen Videoaufnahmen zum entscheidenden Moment bei dem das Rückenmark stark in Mitleidenschaft geriet. Wozu also die Unruhen, hier wurde streng darauf geachtet die letztendlich letale Verletzung als mysteriöses Ereignis im unerklärlichen Dunkel der Festnahme verborgen zu halten, denn schließlich hat die Polizei aus den zurückliegenden und zu finalen Ereignissen mutierten Zugriffen der Polizei, deren Ablauf unerwartet visualisiert wurden, die Lehre gezogen, nichts Nachweißliches überkommen zu lassen. Man will sich schließlich nicht mehr durch irgendwelche Zwischenfälle wegen Unbedachtsamkeit kompromittieren lassen.
gandhiforever 26.04.2015
2. Spekulation
Es wird wohl immer unklar bleiben, wie Freddies toedliche Verletzung entstanden ist. Auf Grund der Aufnahme, die zeigen, wie er zum Polizeiauto geschleift wurde, koennte man den Eindruck gewinnen, er sei da schon gelaehmt gewesen. Doch soll er nachher ja noch auf den eigenen Fuessen gestanden haben. Aerztliche Hilfe haben die Polizisten jedenfalls erst spaeter angefordert. Spaeter, nachdem der gefesselte Freddie nicht mit Gurten gesichert worden war. 10 Tage haben Polizisten in Baltimore Zeit, um den notwendigen Berich anzufertigen. In 10 Tagen kann man natuerlich eine Version aufstellen, die keine Widersprueche aufweist. Ob Frau Buergermeister, eine Schwarze, wirklich korrekte Antworten zu dem Fall erhalten wird, werden wir auch nie wissen. Doch dass wieder einmal Polizisten respektlos mit einem Menschen umgegangen sind, davon kann, muss man ausgehen.
genugistgenug 26.04.2015
3. 'Gray war der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden.'
har er damit rumgeprahlt oder waren die Polizisten nun Hellseher und haben die es vor der Leibesvisitation gewusst. Untergeschoben wird das sicher nicht gewesen sein, oder etwa doch? Denn so viele Lügen wie bereits jetzt schon aufgedeckt wurden, wäre das nur noch eine weitere Schutzbehauptung (Lüge) um extreme Gewaltanwendung zu rechtfertigen. Aber irgendwie sieht es so aus, als würde man eine Zwei Klassengesellschaft provozieren wollen. Dort die Menschen und da die Polizisten mit Waffen und Lizenz zur angeblichen Notwehr.
ruzoe 26.04.2015
4. Obwohl
es wohl längst zu spät ist: Die amerikanischen Cops sollten wie die englischen Bobbies ausgerüstet werden, dannn hätte dieser scheinbar nie enden wollende Wahnsinn ein sofortiges Ende...
PeterRaiden 26.04.2015
5. Öhm...
liebes Spon-Team: Da wurde das falsche Video verlinkt. Ein bisschen mehr Sorgfalt in so einem Fall bitte.
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