Mord an Joggerin in Endingen Angeklagter legt zu Prozessbeginn Geständnis ab

Der Prozess um den Sexualmord an einer 27-Jährigen in Baden-Württemberg hat mit einem Geständnis begonnen. Der Angeklagte Catalin C. räumte ein, die Frau getötet zu haben.

Angeklagter Catalin C.
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Angeklagter Catalin C.


Im Prozess um den Mord an einer 27-jährigen Joggerin im baden-württembergischen Endingen hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Der 40 Jahre alte Catalin C. räumte vor dem Landgericht Freiburg ein, die junge Frau angegriffen und getötet zu haben.

Es tue ihm leid, hieß es in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung. Er habe "mit einer Schnapsflasche zugeschlagen", erklärte der Anwalt im Namen seines Mandanten. Er wisse, es sei "unverzeihbar, was ich getan habe". Der Angeklagte war nach eigenen Angaben depressiv und habe getrunken. Er habe aus einer ihm unerklärlichen Aggression heraus gehandelt. Ein sexuelles Motiv, wie ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, habe er nicht gehabt.

Der Lastwagenfahrer soll laut Anklage die 27-Jährige in einem kleinen Waldgebiet bei Endingen am Kaiserstuhl überfallen haben. Mit einer Eisenstange soll er nach einer Vergewaltigung auf ihren Kopf eingeschlagen haben, bis sie starb.

Die Polizei entdeckte die Leiche der Frau erst bei einer großen Suchaktion Tage nach der Tat. Zeitweise 40 Ermittler einer Sonderkommission waren insgesamt mehr als 4000 Spuren gefolgt. Erst nach monatelanger öffentlicher Fahndung konnte die Polizei C. Anfang Juni nahe Freiburg festnehmen.

Identische Spuren an einem Tatort in Österreich

Dem aus Rumänien stammenden Angeklagten werden in dem Prozess Mord und besonders schwere Vergewaltigung zur Last gelegt. Zudem wird ihm der Mord an einer 20 Jahre alten französischen Austausch-Studentin aus Lyon im Januar 2014 im rund 400 Kilometer von Endingen entfernten Kufstein in Österreich zur Last gelegt. An beiden Tatorten waren identische Spuren gefunden worden.

Der psychiatrische Gutachter Peter Winkler gab an, der Angeklagte habe bei ihren Gesprächen über die Tat kaum emotionale Regungen gezeigt - anders, wenn er von seiner Frau und den drei Kindern gesprochen habe. Er habe "keine schöne" Kindheit erlebt und seit seinem Umzug nach Deutschland 2015 häufiger Alkohol als Mittel gegen die Einsamkeit getrunken. C. habe dem Gutachter gesagt, dass er fast ein Jahr komplett in seinem Lastwagen gelebt habe. Zeugenberichte über eheliche Probleme habe er abgestritten.

C. sitzt seit dem Sommer in Haft. Für den Prozess sind zunächst acht Verhandlungstage geplant. Ein Urteil soll es demnach Ende Dezember geben. Die Eltern der in Endingen Ermordeten sowie der Ehemann treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Hinzu kommt ein psychiatrischer Gutachter. Er wird vor den Plädoyers eine Gefährlichkeitsprognose erstellen. Von dieser hängt ab, ob bei lebenslanger Haft anschließende Sicherungsverwahrung möglich ist.

Verhandelt wird nur der Mord in Endingen. Danach prüft die Justiz in Österreich eigenen Angaben zufolge das weitere Vorgehen. Für einen zweiten Prozess, dann in Österreich, müsste Deutschland den Mann an das Nachbarland ausliefern. Das Freiburger Urteil müsse aber erst rechtskräftig sein, sagte ein Justizsprecher. In dem Freiburger Prozess werden Experten aus Österreich zunächst als Zeugen gehört, um den dortigen Mordfall zu schildern.

wit/AFP/dpa

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