Fall Maria H. Angeklagter sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

2013 verschwand die 13-jährige Maria H. mit einem 53-Jährigen, fünf Jahre später tauchte sie wieder auf. Nun steht der Mann in Freiburg vor Gericht - wegen Kindesentführung und sexuellem Missbrauch.

Der 58-jährige Angeklagte sitzt im Gerichtssaal im Landgericht Freiburg
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Der 58-jährige Angeklagte sitzt im Gerichtssaal im Landgericht Freiburg


Er hält sich einen Ordner vor das Gesicht, auf dem eine Postkarte klebt: Zwei Hände formen gemeinsam ein Herz. Dahinter verbirgt sich Bernhard H., 58 Jahre alt, aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen. Im Fall der mehr als fünf Jahre lang verschwundenen Maria aus Freiburg muss er sich wegen Kindesentführung und sexuellem Missbrauch vor dem Landgericht Freiburg verantworten.

Beim Auftakt an diesem Mittwoch entschied das Gericht: Für die Aussage des 58-Jährigen zu den Vorwürfen wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Verteidigung. Als Grund nannte der Vorsitzende Richter den Schutz von Persönlichkeitsrechten des Angeklagten. Für die Aussage zur Person sei die Öffentlichkeit dagegen zugelassen. Der Angeklagte räumte ein, mit Maria untergetaucht zu sein.

Laut Anklage war der Mann im Mai 2013 mit der damals 13-jährigen Maria ins Ausland gegangen, ohne dass deren Eltern von dem Plan wussten oder einverstanden waren. Er habe das Mädchen kontrolliert, ihm Kontakte zu anderen verboten und es in 108 Fällen sexuell missbraucht, sagte Staatsanwältin Nikola Novak.

Erste Kontakte habe es bereits im April 2011 gegeben, sagte Novak. Der rund 40 Jahre ältere Mann habe die damals Elfjährige über ein Chat-Forum im Internet kontaktiert und sich anfangs als Teenager ausgegeben. Die Beziehung zu ihr habe er dominiert. In den mehr als fünf Jahren, in denen Maria und der Mann durch Europa reisten und untergetaucht waren, habe sie kein Mobiltelefon nutzen oder ins Internet gehen dürfen.

Ein Urteil gibt's wohl Ende Juni

Im September vergangenen Jahres war H. in Italien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Maria war zuvor überraschend zu ihrer Mutter nach Freiburg zurückgekehrt und hatte bei der Polizei ausgesagt. Demnach war sie mit H. durch Europa gereist und hatte die vergangenen zwei Jahre gemeinsam mit ihm in einer Wohnung auf Sizilien gelebt.

Für den Strafprozess in Freiburg sind sieben Verhandlungstage geplant. 15 Zeugen sollen gehört werden. Ein Urteil könnte es demnach Ende Juni geben.

Bei Kindesentzug drohen laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Haft, in schweren Fällen bis zu zehn Jahre. Zudem prüft das Gericht, ob eine anschließende Sicherungsverwahrung möglich ist. Hiermit hat es einen psychiatrischen Gutachter beauftragt, der den Prozess begleiten wird.

Maria und ihre Mutter treten als Nebenklägerinnen in dem Prozess auf, sie werden durch Rechtsanwälte vertreten. Sie wollten sich zum Prozessauftakt nicht gegenüber der Öffentlichkeit äußern.

sen/dpa/AFP



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