Mord in Endingen Angeklagter zu lebenslanger Haft verurteilt

Catalin C. hat gestanden, in Endingen eine junge Frau vergewaltigt und getötet zu haben. Das Freiburger Landgericht verurteilte ihn nun zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Catalin C.
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Catalin C.


Für den Sexualmord an einer 27 Jahre alten Joggerin in Endingen bei Freiburg ist ein Lastwagenfahrer aus Rumänien zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Der 40-Jährige habe sich des Mordes und der besonders schweren Vergewaltigung schuldig gemacht, entschied das Landgericht Freiburg. Catalin C. habe heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt - mit "enormer Brutalität und absolutem Vernichtungswillen".

Der Mann hatte zum Prozessauftakt vor einem Monat ein Geständnis abgelegt. Die 27-Jährige war Anfang November 2016 in einem Wald in den Weinbergen von Endingen vergewaltigt und getötet worden. Sie war ein Zufallsopfer und hatte keine Chance, sagte die Richterin. Die junge Frau war alleine joggen, als sie auf ihren Mörder traf.

Mit dem Strafmaß folgte das Gericht den Forderungen des Staatsanwaltes und der Nebenkläger. Heimtückisch und äußerst brutal sei C. vorgegangen, sagte der Ankläger in seinem Plädoyer. Der Angeklagte sei allgemein gefährlich, ein eiskalter Mörder und gehöre für immer weggeschlossen, sagte einer der Nebenkläger-Anwälte. "Ich halte ihn für ein Monster."

Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer von Totschlag gesprochen, ohne ein Strafmaß zu nennen. Zu seinem Motiv hatte der Angeklagte gesagt, er habe spontan aus einer Aggression heraus gehandelt. Eine geplante Tat sei es nicht gewesen, auch ein sexuelles Motiv habe er nicht gehabt. Zudem machte er in seinem Geständnis Erinnerungslücken geltend.

Die Angaben des Mannes seien durch die vorgelegten Beweise und Gutachten widerlegt, sagte nun die Vorsitzende Richterin. Das Motiv habe in dem Prozess nicht geklärt werden können, der Fernfahrer und Vater von drei Kindern habe dazu geschwiegen: "Die Frage nach dem Warum ist unbeantwortet geblieben." Der Angeklagte sei voll schuldfähig. Eine psychische Erkrankung oder Alkoholsucht seien ausgeschlossen.

Ein psychiatrischer Gutachter in dem Prozess hatte dem 40-Jährigen eine große Wiederholungsgefahr attestiert. Der Sachverständige hatte sich wie Staatsanwaltschaft und Nebenkläger für eine Sicherungsverwahrung ausgesprochen.

Österreich beantragt Auslieferung

Neben dem Verbrechen in Endingen wird C. auch der Mord an einer 20 Jahre alten französischen Austauschstudentin aus Lyon im Januar 2014 im österreichischen Kufstein zur Last gelegt. An beiden Tatorten waren Spuren von ihm gefunden worden. Den Mord in Österreich hat er Gerichtsangaben zufolge gegenüber einem psychiatrischen Gutachter eingeräumt.

Die jetzt vom Freiburger Landgericht verhängte Sicherungsverwahrung gilt unter Vorbehalt. Da es zu dem Mord in Kufstein noch keinen Prozess gegeben habe, müsse dieser abgewartet werden, um in einem dortigen Urteil definitiv über eine Sicherungsverwahrung zu entscheiden, erläuterte die Vorsitzende Richterin. Mit einer Sicherungsverwahrung wäre eine Freilassung nach 15 Jahren Haft nahezu ausgeschlossen.

Für den Prozess in Österreich muss das Freiburger Urteil rechtskräftig sein, sagte Staatsanwalt Hansjörg Mayr von der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Das ist es noch nicht: Die am Freiburger Prozess Beteiligten haben bis nach Weihnachten Zeit, juristisch gegen das Urteil vorzugehen. Österreich will die Auslieferung von C. erreichen. Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe prüfe derzeit einen entsprechenden Antrag, sagte Gerichtssprecher.

Der Mord in der 9000-Einwohner-Gemeinde Endingen bei Freiburg hatte Entsetzen und große Verunsicherung in der Bevölkerung ausgelöst. Auf die Spur des Fernfahrers kamen Ermittler über die Auswertung von Lkw-Mautdaten.

wit/dpa/AFP

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