Getötete Studentin in Freiburg Prozessauftakt im Mordfall Maria L.

Hussein K. soll die Studentin Maria L. vergewaltigt und ermordet haben. Entscheidend für den Prozess, der nun vor dem Landgericht Freiburg beginnt, ist das Alter des jungen Mannes - und das ist umstritten.

Gedenken an Maria L.
Getty Images

Gedenken an Maria L.

Von


Maria L. war auf dem Weg nach Hause. Sie hatte die Studentenparty "Big Medi Night" im Institutsviertel in Freiburg-Herdern besucht und fuhr nun mit dem Fahrrad an der Dreisam entlang. Allein. In jener Nacht des 16. Oktober 2016 kam die 19-Jährige nie zu Hause an. Eine Joggerin fand am nächsten Morgen die Leiche der Medizinstudentin, sie war im Fluss ertrunken.

Schnell wurde klar: L. war einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen. Sieben Wochen nach der Tat wurde der mutmaßliche Mörder festgenommen. Hussein K. soll die Studentin vom Fahrrad gezerrt, gewürgt und vergewaltigt haben. Sein bewusstloses Opfer legte er laut Staatsanwaltschaft anschließend in dem Fluss ab, so dass L. ertrank. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter sein Opfer zufällig auswählte.

Die Tat hat nicht nur Freiburg erschüttert, sie erregte weit über die Grenzen der Stadt hinaus Aufsehen. Viele hatten bis zuletzt gehofft, dass der Verdächtige ein anderer wäre. Niemand wie Hussein K., der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen und bei einer Pflegefamilie in Freiburg untergebracht war - Rechte instrumentalisierten den Fall für Hetze gegen Ausländer.

DNA-Spuren und Videobilder belasten ihn schwer

Jetzt beginnt vor dem Landgericht Freiburg die Hauptverhandlung gegen K. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Maria L. "heimtückisch" und "zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs" getötet zu haben. DNA-Spuren am Tatort und Videoaufzeichnungen aus einer Straßenbahn belasten Hussein K. schwer. Er selbst schweigt zu den Vorwürfen.

Zuletzt lebte K., der in der Obhut des Jugendamtes stand, bei seiner Pflegefamilie im Freiburger Osten, er besuchte die private Vianova-Berufsfachschule, die sich auf Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf spezialisiert hat. Zuvor war er mit anderen Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan in einer Wohngruppe untergebracht.

Der Fall stieß Debatten über die Flüchtlingspolitik an. Hussein K. kam im November 2015 nach Deutschland - ohne Papiere. Was den Behörden nicht bekannt war: Er saß bis Oktober 2015 im griechischen Volos in Haft, weil er 2013 auf Korfu eine Studentin von Klippen hinuntergestoßen hatte, die Frau überlebte schwerverletzt.

Ein griechisches Gericht verurteilte Hussein K. im Mai 2014 wegen versuchten Totschlags zu zehn Jahren Haft, entließ ihn aber vorzeitig wegen guter Führung. Nachdem Griechenland seinen Asylantrag aufgrund der verurteilten Straftat ablehnte, ignorierte Hussein K. die Auflagen des Gerichts, tauchte unter und bat in einer Freiburger Dienststelle um Asyl.

Unklares Alter des Angeklagten

Dort gab er an, dass er über Österreich nach Deutschland eingereist sei. Er sei 16 Jahre alt und stamme aus Afghanistan. Griechenland schrieb ihn gleichzeitig zur Fahndung aus - allerdings nur national. Die deutschen Behörden erfuhren so nicht, dass sie mit Hussein K. einen verurteilten Straftäter aufgenommen hatten.

Die Jugendkammer des Landgerichts Freiburg hat die Anklage zur Hauptverhandlung vor der 6. Großen Strafkammer zugelassen. Das Verfahren ist auf 16 Verhandlungstage terminiert. 45 Zeugen sollen vernommen werden, mehr als die Hälfte davon soll mit Hussein K. im Vorfeld oder nach der Tat Kontakt gehabt haben.

K. hatte nach seiner Festnahme angegeben, 17 Jahre alt zu sein; die Staatsanwaltschaft beauftragte jedoch Sachverständige, die ihn auf mindestens 22 schätzen. Weil Zweifel an seinem Alter nicht ausgeräumt werden konnten, wurde er nach Jugendstrafrecht angeklagt.

Eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht ist damit jedoch nicht ausgeschlossen. Auch wenn das Gericht ihn als Heranwachsenden (18-21 Jahre) sieht, könnte er - je nach Entwicklungsstand - nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Da er laut Aktenlage zum Tatzeitpunkt mindestens 19 Jahre alt war, wird der Prozess öffentlich stattfinden.

Geladen sind auch zehn Sachverständige, drei von ihnen haben sich mit der Altersbestimmung des Angeklagten befasst. Ein psychiatrischer Sachverständiger wird am Ende der Beweisaufnahme ein Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit und zur Gefährlichkeitsprognose erstatten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass gegen Hussein K. Sicherungsverwahrung ausgesprochen wird.

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.