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Freispruch im Fall Trayvon Martin Bürgerrechtler fordern Eingreifen von Obamas Justizminister

Empörend, unfassbar, eine Ohrfeige fürs Volk: US-Bürgerrechtler sind entsetzt über den Freispruch für den Todesschützen des schwarzen Teenagers Trayvon Martin. Jetzt fordern sie, US-Justizminister Holder solle intervenieren. Einen Präzedenzfall dafür gibt es.

Er könne die Entscheidung immer noch nicht fassen, sagt Jesse Jackson, der berühmte Bürgerrechtler. Einige Stunden zurück liegt da die Verkündung des Urteils, das Amerika bewegt und spaltet: Freispruch für George Zimmerman, 29, Todesschütze des schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin.

Jackson und andere Bürgerrechtler zeigten sich empört. Jetzt forderte er im Interview bei CNN: "Das US-Justizministerium muss eingreifen", das Verfahren müsse auf eine andere Ebene gehoben werden. Ähnliches hatte zuvor bereits Benjamin Jealous angemahnt, Vorsitzender der NAACP, der National Association for the Advancement of Colored People. Sie ist die größte US-Bürgerrechtsorganisation. Der Todesschütze, so Jealous, müsse wegen Verletzung der Bürgerrechte von Trayvon Martin vor Gericht gestellt werden.

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Urteil im Fall Trayvon Martin: Bürgerrechtler verdammen Zimmerman-Freispruch

Foto: JASON REDMOND/ REUTERS

Auch der prominente Bürgerrechtsaktivist Al Sharpton will sich mit dem Freispruch für Zimmerman nicht zufriedengeben. Das Urteil bezeichnete er als "eine Ohrfeige für das amerikanische Volk". Bei Facebook schrieb er: "Wir werden das Justizministerium auffordern, vorzugehen wie im Fall Rodney King".

Damit bezog er sich auf jenen Fall, der Anfang der neunziger Jahre heftige Ausschreitungen nach sich zog: Polizisten hatten King 1991 wegen zu schnellen Fahrens gestoppt und dann brutal zusammengeschlagen - was als verstörende Videoaufnahme um die Welt ging. Die Beamten wurden jedoch in einem ersten Verfahren freigesprochen. Später allerdings strengte das Justizministerium weitere Verfahren an, zwei Beamte wurden schließlich zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, außerdem erhielt King eine Millionenentschädigung.

Proteste von New York bis San Francisco

Die Wut nach dem aktuellen Freispruch im Fall Trayvon Martin ist an vielen Orten in den USA zu spüren. In mehreren Städten versammelten sich spontan Menschen und protestierten gegen die aus ihrer Sicht rassistische Entscheidung der Geschworenen.

In San Francisco etwa setzten Hunderte Demonstranten ein Zeichen der Solidarität mit Martins Familie. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot strömten sie kurz nach dem Urteilsspruch im Stadtzentrum zusammen. Viele trugen Transparente mit der Aufschrift "Das Volk sagt 'schuldig'". Im benachbarten Oakland blieb es nicht so ruhig. Einige Demonstranten besprühen Autos und zertrümmern Fensterscheiben, wie ein Video auf der Website der Zeitung "Oakland Tribune" zeigte.

In Washington, Chicago und am New Yorker Times Square blieben die Spontanproteste hingegen friedlich. Auch die rund 200 Demonstranten in einem Schwarzenviertel in Los Angeles ließen sich nicht zu Gewalttaten hinreißen. Die Polizei hatte vorsorglich einen "taktischen Alarmzustand" für das gesamte Stadtgebiet ausgerufen.

Eine Online-Petition der NAACP an US-Justizminister Eric Holder, Zimmerman einer Zivilklage zu unterziehen, wurde innerhalb kürzester Zeit mehrere zehntausend Mal unterzeichnet.

Am Abend reagierte auch US-Präsident Barack Obama und erklärte in einer Stellungnahme, der Tod von Trayvon Martin sei eine Tragödie. "Nicht allein für seine Eltern, oder irgendeine andere Gemeinschaft, sondern auch für Amerika." Gleichzeitig betonte er: "Wir sind ein Rechtsstaat, die Jury hat entschieden." Er fordere "jeden einzelnen Amerikaner" dazu auf, den Aufruf zu ruhigem Nachdenken zu befolgen, wie er von den Eltern Trayvon Martins geäußert worden sei.

Auf seine frühere Äußerung, wonach, falls er einen Sohn hätte, dieser "wie Trayvon Martin ausgesehen" hätte, kam Obama nicht zu sprechen.

otr/Reuters/AFP
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