Ortsschilder in Thüringen "Es gibt hier nichts zu wohnen"

Im thüringischen Sondershausen haben Unbekannte Schilder am Ortseingang aufgestellt: "Liebe Asylschwindler, bitte flüchten Sie weiter." Auf Facebook finden das erschreckend viele Menschen toll, der Bürgermeister ist schockiert.
Ortseingang von Sondershausen: Fremdenfeindliche Plakate angebracht

Ortseingang von Sondershausen: Fremdenfeindliche Plakate angebracht

Foto: facebook/ Sonderhausen ist Bunt

"Liebe Asylschwindler! Bitte flüchten sie weiter, es gibt hier nichts zu wohnen!" Diese ausländerfeindliche Botschaft war gestern vorübergehend an verschiedenen Ortseinfahrten im thüringischen Sondershausen zu lesen. Bislang Unbekannte hatten die gelben Hinweistafeln an sechs Stellen an die Ortsschilder montiert.

Die Polizei vermutet, dass die Schilder in der Nacht zu Dienstag angebracht wurden. Hinweise auf die Täter gebe es bislang keine, sagte Polizeisprecher Thomas Soszynski SPIEGEL ONLINE. Ein Polizist habe eine der Tafeln auf dem Weg zur Arbeit bemerkt und seine Kollegen informiert. "Wir gehen davon aus, dass die Schilder maximal ein paar Stunden hingen", so Soszynski.

Inzwischen wurde der Fall von der Kriminalpolizei zur rechtlichen Beurteilung an die Staatsanwaltschaft übergeben. Denn strenggenommen handelt es sich nur um eine Ordnungswidrigkeit: wildes Plakatieren.

Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) sagte SPIEGEL ONLINE, er sei schockiert über den Vorfall. Für Kreyer, seit fast 15 Jahren Bürgermeister des 20.000-Einwohnerstädtchens, sind die Schilder eine "verabscheuungswürdige, fremdenfeindliche Tat", die keinesfalls der Stimmung in Sondershausen entspreche. Im Gegenteil, er erlebe in der Bevölkerung viel Hilfsbereitschaft für Asylbewerber.

Derzeit leben rund 150 Asylsuchende in Sondershausen, der Großteil stammt aus Eritrea, andere aus Syrien und Tschetschenien. Einige von ihnen sind zentral in einem ehemaligen Wohnheim für Kinder und Jugendliche untergebracht. Der Rest ist in privaten Unterkünften über die Stadt verteilt.

Generell sei die Stimmung der in Sondershausen untergebrachten Menschen gut, sagt Kirsten Langethal. Sie engagiert sich ehrenamtlich für die Asylbewerber und betreibt mit anderen Helfern die Facebookseite "Sondershausen ist bunt". Doch seit in Dresden ein Asylbewerber aus Eritrea ermordet aufgefunden wurde, habe sich etwas verändert. "Die haben wirklich Angst", sagt sie.

Auch wenn die Schilder nur für kurze Zeit am Ortsrand hingen, machen sie in den sozialen Netzwerken inzwischen die Runde. Fotos davon wurden auf der Facebookseite "Sondershausen gegen Asylmissbrauch" veröffentlicht, die 2461 Abonnenten hat. Der Beitrag wurde fast vierhundertmal geteilt. Überschrieben ist er mit: "Hoffen wir mal das es sich die Asylschwindler zu Herzen nehmen und zukünftig einen großen Bogen um unser Sondershausen machen!!!". 882 Menschen sind der Meinung: "Gefällt mir".

ppl
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