Tödlicher Angriff auf Sohn des Ex-Bundespräsidenten Täter wollte sich offenbar an Familie von Weizsäcker rächen

Ein 57-Jähriger hat den Arzt Fritz von Weizsäcker mit einem Messer getötet. Die Ermittler sprechen von einer "wahnbedingten allgemeinen Abneigung" des Täters. Der Mann kommt in eine psychiatrische Klinik.

Thomas Frey/dpa

Der Mann, der am Dienstagabend den Mediziner Fritz von Weizsäcker erstochen hat, hat bei seiner polizeilichen Vernehmung ein Motiv für seine Tat genannt. Demnach gab der 57-Jährige aus Andernach in Rheinland-Pfalz an, er habe den Mediziner gezielt getötet, um sich an der Familie von Weizsäcker zu rächen. Das erfuhr der SPIEGEL aus Ermittlerkreisen.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, das Tatmotiv liege in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten" gegen die Familie von Weizsäcker.

Der Mann sei untersucht worden. Aufgrund einer "akuten psychischen Erkrankung" werde er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht - wegen Mordes und versuchten Mordes. Er sei strafrechtlich bisher nicht auffällig geworden.

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Der Täter begründete nach SPIEGEL-Recherchen seine Abneigung mit der Rolle Richard von Weizsäckers, dem Vater des Getöteten, beim Chemiekonzern Boehringer Ingelheim. Richard von Weizsäcker sei als Geschäftsführer des Konzerns in den Sechzigerjahren dafür verantwortlich gewesen, dass das Unternehmen tödliche Giftstoffe für den Vietnamkrieg geliefert habe. Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft wollte den Inhalt der Aussage weder bestätigen noch dementieren.

Richard von Weizsäcker, Bundespräsident von 1984 bis 1994, starb vor knapp fünf Jahren. Der Täter gab nach SPIEGEL-Informationen an, er habe sich den Sohn als Opfer ausgesucht, da er den Vater nicht mehr habe treffen können.

Vortrag im Internet entdeckt

Die tödliche Messerattacke geschah am Dienstagabend um kurz vor 19 Uhr. Es war am Ende eines Vortrags, den Fritz von Weizsäcker an der Berliner Schlosspark-Klinik hielt. Den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge trat der Täter ans Podium und zückte seine Waffe.

Ein Polizist, der privat unter den Zuhörern war, sei schwer verletzt worden, als er zu Hilfe eilte. Weizsäcker starb noch vor Ort.

Der 57-Jährige habe "im Rahmen seiner Tatplanung" den angekündigten Vortrag des Mediziners im Internet entdeckt. Daraufhin habe er in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft und sei am Dienstag mit der Bahn nach Berlin gefahren.

Richard von Weizsäcker war von 1962 bis 1966 Mitglied der Geschäftsführung des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. Im Jahr 1991 enthüllte der SPIEGEL: Das Gift "Agent Orange", das die US-Truppen im Vietnamkrieg einsetzten, hatte der US-Konzern Dow Chemical mit Boehringer-Know-how hergestellt. Weizsäcker war damals Bundespräsident und sagte, er habe "mit großer Betroffenheit" erst Jahre nach seiner Tätigkeit bei Boehringer von "Agent Orange" erfahren.

mgb/sms/jpz



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