Polizist zum Mordfall Weizsäcker "Ich dachte wirklich, dass ich sterbe"

Als Fritz von Weizsäcker mit einem Messer angegriffen wurde, ging ein Polizist dazwischen. Vor Gericht schildert er, wie er den Angreifer überwältigte, und wie sehr die Tat ihn bis heute mitnimmt.
Der mutmaßliche Mörder hat die Attacke gestanden, aber keine Reue gezeigt

Der mutmaßliche Mörder hat die Attacke gestanden, aber keine Reue gezeigt

Foto: imago images/Olaf Wagner

Fritz von Weizsäcker hielt einen Vortrag, als er unvermittelt niedergestochen wurde. Im Prozess um den Mord am jüngsten Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker hat nun der Polizist ausgesagt, der den Angreifer überwältigte.

Er sei bei der Attacke gegen von Weizsäcker dazwischen gegangen, sagte der 34-Jährige vor dem Landgericht Berlin. Der Angeklagte sei zunächst auf den Professor zugestürmt und habe nicht von ihm abgelassen.

Der Polizist habe mit der linken Hand in die Klinge des Messers gegriffen, den Griff habe der Angeklagte noch umklammert, als sie schon auf dem Boden lagen. "Ich hab es ihm abgenommen." Er hätte sonst unzählige weitere Male zugestochen.

Er habe Todesangst gehabt, sagte der 34-Jährige. "Ich dachte wirklich, dass ich sterbe." Nachdem er den Täter überwältigt hatte, habe dieser ihn mit emotionslosem Blick immer wieder gefragt, ob er sauer auf ihn sei. Mit der verletzten Hand sei es ihm noch gelungen, das Handy herauszuziehen und den Notruf zu wählen.

Polizist mit Ehrenzeichen gewürdigt

Fritz von Weizsäcker starb am 19. November 2019 durch einen Stich in den Hals gegen Ende eines Vortrags in der Schlossparkklinik Berlin. Die Tat hatte bundesweit Entsetzen hervorgerufen.

Der Beamte wurde von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) für sein Eingreifen mit einem Ehrenzeichen gewürdigt. In einem Ende Dezember veröffentlichten Brief schrieb der verletzte Polizist, es sei Aufgabe der Polizei, das Leben mit allen Mitteln zu schützen. Über den Tod von Weizsäckers empfinde er "tiefen seelischen Schmerz".

Der Polizist war privat zu dem Vortrag gekommen. Der mutmaßliche Mörder aus Andernach in Rheinland-Pfalz hat die Attacke im Prozess gestanden, aber keine Reue gezeigt. "Ich bin froh, dass er tot ist. Für mich war es notwendig", las der 57-Jährige vor rund einer Woche sein Geständnis vor.

Dem Angeklagten werden Mord an Weizsäcker sowie versuchter Mord an dem Polizisten zur Last gelegt. Der Mediziner starb noch am Tatort, er wurde 59 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft nimmt Hass auf die Familie des Getöteten als Tatmotiv an, insbesondere auf den früheren Bundespräsidenten. Im Prozess wird auch die Schuldfähigkeit des Angeklagten geprüft.Er selbst bezeichnete sich selbst als Zwangsneurotiker, Ex-Nazi und verkrachte Existenz.

Am Donnerstag unterbrach er mehrmals aus seiner Panzerglasbox aufgebracht die Aussage des Polizisten. "So viel Lügen", schrie der schmächtige Mann.

"Seit dem Geschehen bin ich im Angstmodus"

Polizist vor dem Landgericht Berlin

Der Kriminalbeamte, der auch Nebenkläger im Prozess ist, wurde an den Händen, am Oberkörper sowie am Hals schwer verletzt. "Seit dem Geschehen bin ich im Angstmodus."

Die letzten Monate seien schwierig gewesen, psychologische Hilfe wegen der Coronakrise schwer zugänglich. Er fühle sich wie auf einer Achterbahn. "Ich habe Angst, herauszufallen." Er könne nachts nicht schlafen. Erst seit dieser Woche sei er wieder im Dienst. Doch wie es da für ihn weitergehe, sei noch nicht entschieden.

sen/dpa
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