Fritzl und die Folgen Sexualdelikte sollen später verjähren

Nach dem Inzest-Fall im österreichischen Amstetten zieht die Politik erste Konsequenzen: Österreichs Justizministerin Maria Berger begrüßte ausdrücklich längere Verjährungsfristen von Sexualdelikten. Gleichzeitig schloss sie jedoch eine Verschärfung der Strafen aus.


Wien - Berger kündigte am Freitag eine Verdoppelung der bisherigen Verjährungsfristen für weiterhin als gefährlich eingestufte verurteilte Täter an. In dem geplanten "Gewaltschutzpaket" sei "eine Verlängerung der Tilgungsfrist vorgesehen - um bis zu 100 Prozent", zitierte die Nachrichtenagentur APA die Ministerin. Opferschutzorganisationen hatten das in den vergangenen Tagen immer wieder gefordert.

Bisher wurden Vorstrafen in der Alpenrepublik spätestens nach 15 Jahren gelöscht. Gleichzeitig schloss Berger eine generelle Strafverschärfung für Sexualdelikte aus. "Die Strafrahmen gehen hier bis zu 15, 20 Jahre, bei Todesfolge bis zu lebenslänglich. Mehr als lebenslänglich ist nicht denkbar", sagte Berger.

Das Kellerverlies, in dem Josef Fritzl seine Tochter 24 Jahre lang gefangen hielt, war nicht nur durch eine, sondern durch zwei Stahltüren versperrt. Beide Türen ließen sich nur durch Fernsteuerung öffnen, sagte der Leiter der Ermittlungen, Franz Polzer, APA. Die Ermittlungen in dem Verlies gingen auch am Freitag weiter. Sie seien sehr mühsam, da den Kriminalbeamten immer wieder die Luft knapp werde, so Polzer. Um keine fremden DNA-Spuren zu hinterlassen, arbeiteten die Beamten zudem mit Mundschutz. Polzer rechnete damit, dass die Ermittlungsarbeit am Tatort mehrere Wochen dauern wird.

Laut APA tauchten nun doch weitere Dokumente über die Vergangenheit von Fritzl auf. Diese sollen belegen, dass sich Polizei und Behörden bereits in den sechziger Jahren mit dem heute 73-Jährigen wegen möglicher Vergewaltigungen befasst hätten.

APA berichtete unter Berufung auf die "Oberösterreichische Nachrichten", dass eine Gerichtsakte zu der Vergewaltigung einer 24-Jährigen und der versuchten Vergewaltigung einer 21-Jährigen von 1967 aufgefunden worden sei. Sie sei im Oberösterreichischen Landesarchiv archiviert worden. Am Mittwoch sei sie an die Staatsanwaltschaft und das Landesgericht St. Pölten gegangen.

F. hatte gestanden, seine in einem Kellerverlies eingesperrte Tochter Elisabeth über Jahre hinweg vergewaltigt und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben: Drei von ihnen wuchsen im Keller auf, drei weitere im Haushalt von F. und seiner Frau Rosemarie. Ein siebtes Kind starb einen Monat nach der Geburt.

jdl/AFP

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