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19. Dezember 2013, 18:48 Uhr

NS-Kriegsverbrecherprozess

Anklage fordert lebenslänglich für früheren SS-Mann

Der frühere SS-Mann Siert B. soll im Zweiten Weltkrieg einen niederländischen Widerstandskämpfer ermordet haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für den 92-Jährigen gefordert. Er habe den Mann heimtückisch umgebracht, so die Anklage.

Hagen - Im Hagener NS-Prozess wegen der Ermordung eines niederländischen Widerstandskämpfers hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für den 92-jährigen Siert B. gefordert. Er soll als früheres Mitglied der Waffen-SS zusammen mit einem Vorgesetzten 1944 in den Niederlanden den Mann heimtückisch ermordet haben.

Die Tat ereignete sich am 21. September 1944 zu einem Zeitpunkt, als die Alliierten in den Niederlanden schon auf dem Vormarsch waren und Hitler den sogenannten Niedermachungsbefehl gegeben hatte. Die Grenz- und Sicherheitspolizei in der Hafenstadt Delfzijl hatte das spätere Opfer Aldert Klaas Dijkema auf einem Bauernhof festgenommen. Mehreren Zeugenaussagen zufolge hatten anschließend B. und sein direkter Vorgesetzter August N. den Befehl, Dijkema auf einer fingierten Flucht zu erschießen.

Der Staatsanwalt betonte, der Befehl zu der Ermordung sei zwar von höherer Stelle gekommen. Eine Befehlsverweigerung sei aber auch damals möglich gewesen und hätte keine schwersten Folgen gehabt. Dazu gab es im Prozess das Beispiel eines anderen Mitglieds des Grenzpostens, der nicht ein Erschießungskommando übernehmen wollte. Die Aufgabe habe dann der inzwischen verstorbene August N. erfüllt.

Zwar stehe nicht sicher fest, dass B. selbst geschossen habe, sagte der Oberstaatsanwalt Gerichtsangaben zufolge. Der Angeklagte habe aber den Tod des Widerstandskämpfers ebenso wie der zweite SS-Mann gewollt und die Erschießung jedenfalls mit ermöglicht. Damit sei er zumindest Mittäter bei dem Mord gewesen.

B. hatte vor dem Plädoyer der Anklage erstmals längere Aussagen gemacht. Dabei hatte er beschrieben, wie er nach Deutschland und zur Waffen-SS kam und später unter falschem Namen in Deutschland untertauchte. Der gebürtige Niederländer weist den Vorwurf zurück, an der Ermordung Dijkemas beteiligt gewesen zu sein.

Der Prozess soll am 6. Januar mit Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung fortgesetzt werden. Ein Urteil könnte am 8. Januar gesprochen werden

hut/dpa

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