Fünffachmord von Nantes Kinder wurden vor tödlichen Schüssen betäubt

Im Fall des Fünffachmords im französischen Nantes hat die Polizei ein weiteres Detail geklärt: Die vier Kinder wurden mit einem Medikament betäubt, bevor sie umgebracht wurden. Von dem tatverdächtigen Vater Xavier D. fehlt weiter jede Spur.

Haus in Nantes im April: Fünf Leichen unter der Terrasse verscharrt
REUTERS

Haus in Nantes im April: Fünf Leichen unter der Terrasse verscharrt


Nantes - Obwohl bislang etwa 500 Hinweise bei der Polizei eingingen, gibt es seit sechs Wochen keine Spur von Xavier D., dem mutmaßlichen Fünffachmörder von Nantes. Der flüchtige Familienvater ist weiterhin tatverdächtig. Neuen Erkenntnissen der Ermittler zufolge betäubte der mutmaßliche Täter seine vier Kinder mit einem Medikament, bevor er sie umbrachte. Gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben Spuren eines Schlafmittels im Blut der Geschwister, wie die Staatsanwaltschaft Nantes mitteilte. Die Leiche der Frau wies allerdings keine Spuren des Mittels auf.

Am 21. April hatte die Polizei die Leichen der Frau und ihrer vier Kinder unter der Terrasse ihres Hauses in Nantes gefunden, nachdem der Familienvater mehrere abstruse Abschiedsbriefe an Verwandte geschickt hatte. Er gab darin an, wegen eines Zeugenschutzprogrammes mit seiner Familie in die USA auswandern zu müssen.

Den Ermittlern zufolge starben die vier Kinder im Alter von 13 bis 20 Jahren und ihre Mutter durch gezielte Kopfschüsse - ebenso wie die beiden Hunde der Familie. Die Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden. Es handelt sich um ein Gewehr, wie D. es von seinem Vater geerbt hatte und für das er im März Munition gekauft hatte.

Das letzte Lebenszeichen von D. stammt vom 15. April, als er in einem Hotel in der Nähe der Autobahn in der Provence übernachtete. Drei seiner Kinder und seine Frau waren zuletzt am 3. April gesehen worden, als sie zusammen mit dem Vater in einer Pizzeria essen waren. Tags darauf besuchte der 50-Jährige mit seinem ältesten Sohn Thomas ein Restaurant nahe Angers, wo der junge Mann studierte - da waren die Geschwister und die Mutter wahrscheinlich schon tot. Thomas fuhr einen Tag später nach Nantes und starb vermutlich in der darauffolgenden Nacht.

Die Ermittlungen hätten erbracht, dass der Gesuchte heimlich als Tester für eine Hotelkette gearbeitet habe, sagte Staatsanwalt Xavier Ronsin nun. Es gebe bislang aber keinen Hinweis darauf, dass D. seine falschen Namen aus dieser Tätigkeit zu "etwaigen Betrügereien" genutzt habe.

wit/AFP

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