Prozess in Fürth Lkw-Fahrer wegen Verwüstungsfahrt zu Bewährungsstrafe verurteilt

Fünf Verletzte, demolierte und brennende Autos, beschädigte Häuser: Ein betrunkener Lkw-Fahrer verwüstete mit seinem Sattelzug eine Wohnstraße in Fürth. Nun hat ein Gericht das Urteil gegen den 51-Jährigen gesprochen.
Ausgebrannte Autos in Fürth: Schneise der Verwüstung (Februar 2022)

Ausgebrannte Autos in Fürth: Schneise der Verwüstung (Februar 2022)

Foto: Friedrich / dpa

Ein Lkw-Fahrer ist wegen einer verheerenden Alkoholfahrt durch eine Wohnstraße in Fürth zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Außerdem muss der Angeklagte seinen Führerschein abgeben. Für eine Dauer von drei Jahren dürfe ihm keine deutsche Behörde eine neue Fahrerlaubnis ausstellen, sagte Richterin Sabine Becker-Jastrow im Amtsgericht Fürth in Bayern.

Der 51-Jährige habe sich unter anderem der Gefährdung des Straßenverkehrs, der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Brandstiftung schuldig gemacht (AZ 421 Ls 702 Js 101647/22). Nach Auffassung des Gerichts war der stark betrunkene Fahrer im Februar bei roter Ampel in eine Kreuzung gefahren und krachte dort in ein Auto. Danach donnerte er mit bis zu Tempo 70 eine Wohnstraße herunter.

Der mit Stahlteilen im Gesamtgewicht von 26 Tonnen beladene Sattelzug zog eine Schneise der Verwüstung durch die Wohnstraße. Fünf Verletzte, demolierte und brennende Autos, beschädigte Häuser und ein Gesamtschaden von etwa 800.000 Euro waren die Folge. »Das war Chaos. So was habe ich noch nie gesehen«, schilderte ein Polizist die Eindrücke vor Gericht. »Die ganze Straße lag in Trümmern«, ergänzte einer seiner Kollegen.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe am ersten Prozesstag zugegeben. An große Teile der fast 180 Meter langen Verwüstungsfahrt konnte er sich nach eigenen Angaben aber nicht erinnern.

Einem Gutachter zufolge war er zur Tatzeit vermindert schuldfähig – wegen der mehr als zwei Promille Alkohol in seinem Blut und weil er kurz zuvor erfahren hatte, dass seine Frau wieder an Krebs erkrankt sei. Diese Auffassung teilte auch das Gericht. Der Lkw-Fahrer hatte demnach an jenem Tag auf seine Papiere für die Weiterfahrt nach Köln auf einem Standstreifen gewartet und Wodka getrunken. Vor Gericht gab er an, dass er in Fürth eigentlich habe übernachten wollen, dann aber den Parkplatz habe räumen müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und den Entzug der Fahrerlaubnis gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Während des Plädoyers seiner Verteidigerin brach der Angeklagte in Tränen aus. »Er hat alles verloren, was er hatte«, sagte die Rechtsanwältin Mona Abdel Hamid. »Er wird nie wieder als Fahrer arbeiten.« Später entschuldigte sich der 51-Jährige erneut bei allen Opfern. 24 Jahre habe als Lkw-Fahrer gearbeitet, so etwas sei ihm noch nie passiert, sagte er mit Blick auf seine Trunkenheitsfahrt. »Das ist eine Schande für mich«, sagte er. »Ich schäme mich dafür.«

wit/dpa
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