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Maré-Komplex: Besetzung der Verbrecher-Hochburg

Foto: Mario Tama/ Getty Images

Besetzung von Rios Armenvierteln Regierung schickt Tausende Elitesoldaten in Favelas

In etwas mehr als zwei Monaten startet die Fußball-WM in Rio de Janeiro. Nach wie vor hat Brasilien jedoch Probleme, die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Nun schickt die Regierung 2700 Elitesoldaten in die Armenviertel.

Rio de Janeiro - Die Armenviertel des Complexo da Maré liegen direkt zwischen dem internationalen Flughafen und dem Zentrum Rio de Janeiros. Wichtige Hauptstraßen führen durch das Gebiet, es ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte während der Fußball-Weltmeisterschaft. Ab dem 12. Juni werden hier Hunderttausende Fußballfans landen. Und am Samstag beginnt hier offiziell die Belagerung.

Die brasilianische Regierung schickt dann 2700 Elitesoldaten der Armee in das Gebiet. Das Ziel: Sicherheit. 130.000 Menschen leben in Maré, mehr als beispielsweise in Wolfsburg. Die Einheiten sollen bis mindestens 31. Juli, also zwei Wochen nach dem Finale der WM, die Region besetzen.

Mit dem starken Militäreinsatz soll vor allem die sichere An- und Abreise der Touristen in die Stadt gewährleistet werden. Bereits am vergangenen Wochenende hatte eine Sondereinheit der Polizei die Elendssiedlungen gestürmt. Für die endgültige Besetzung und sogenannte Befriedung soll aber die Armee sorgen. Erst vor einigen Tagen hatte Staatspräsidentin Dilma Rousseff den Einsatz auf nationalem Boden per Dekret möglich gemacht.

Maré gilt als gefährlich, als Hochburg der Drogenbanden. Außerdem sollen sich Rauschgift- und Waffenhändler hierher geflüchtet haben, nachdem sie aus anderen Favelas verjagt wurden. Die Besetzung des Maré-Komplexes ist ein weiterer Versuch, die Brennpunkte der Gewalt mit Blick auf das herannahende Groß-Ereignis zu beruhigen.

Die Fortschritte der Sicherheitskräfte sind allerdings fragwürdig. Seit 2008 wurden zwar in 174 Favelas 38 Einheiten der sogenannten Befriedungspolizei stationiert. Doch die Polizisten geraten selbst ins Visier der Kriminellen. Allein in den vergangenen drei Monaten wurden acht Polizisten von mutmaßlichen Mitgliedern des organisierten Verbrechens getötet.

Gleichzeitig hat die Befriedungspolizei keinen guten Ruf bei der Bevölkerung. Ihre Mitglieder gelten als Schläger und Mörder. Die Bürger werfen ihnen vor, sich schlechter um die Menschen vor Ort zu kümmern als die Drogenhändler.

gam/sid
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