Fußfessel-Prozess Rückfälliger Sexualstraftäter zu Haftstrafe verurteilt

Andreas R. trug eine Fußfessel, als er aus der Sicherungsverwahrung entlassen wurde. Wenige Monate später verging er sich an einem Mädchen. Dafür muss der wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafte Mann mehr als dreieinhalb Jahre ins Gefängnis - und zurück in Sicherungsverwahrung.

Andreas R. vor Gericht: Zurück ins Gefängnis
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Andreas R. vor Gericht: Zurück ins Gefängnis


München - Der rückfällige Sexualstraftäter Andreas R. muss wegen schweren Kindesmissbrauchs drei Jahre und sieben Monate in Haft. Das hat das Münchner Landgericht entschieden. Zudem ordnete es eine erneute Sicherungsverwahrung an.

Der Fall R. wurde als "Fußfessel-Prozess" bekannt. Der 42-Jährige war im Januar 2012 aus der nachträglich ausgesprochenen Sicherungsverwahrung entlassen worden - in elektronischen Fußfesseln, als erster Häftling in Bayern. Nur drei Monate später missbrauchte er ein siebenjähriges Mädchen.

Der Angeklagte war seit 1999 zweimal wegen Kindesmissbrauchs bestraft worden und hatte bis 2006 im Gefängnis gesessen. Danach verhängte das Landgericht die nachträgliche Sicherungsverwahrung gegen ihn. Aus dieser musste er nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts entlassen werden.

Zur Entlassung bekam er die Weisung, elektronische Fußfesseln zu tragen und diese betriebsbereit zu halten. Man gab ihm ein Handy, ihm wurde eingeschärft, es müsse immer aufgeladen sein, zudem müsse er sich regelmäßig bei der Polizei melden. Andreas R. durfte das Stadtgebiet München nicht verlassen, sollte Kontakt zu Kindern vermeiden und durfte keine Wohnungen betreten, in denen sich Minderjährige aufhielten. Gegen alle Auflagen hat der Angeklagte laut Urteil verstoßen.

Andreas R. hatte nach seiner Entlassung in München eine junge Frau kennengelernt, die ihn mit in ihre Wohnung nahm. Laut Staatsanwaltschaft missbrauchte er die siebenjährige Tochter der Frau, während die Mutter schlief.

Im April war der Mann in Untersuchungshaft gekommen - allerdings nicht wegen des mutmaßlichen Missbrauchs, sondern weil er sich weigerte, die Fußfessel aufzuladen. Anfang Mai erstattete der Vater der Siebenjährigen dann Anzeige wegen des Missbrauchsverdachts. Durch die Auswertung der Daten der Fußfessel konnten die Ermittler klären, dass der 41-Jährige zum Tatzeitpunkt in der Wohnung der Mutter war.

Nach achtmonatiger Beweisaufnahme hatte die Staatsanwaltschaft drei Jahre und acht Monate Haft sowie die erneute Anordnung der Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigung plädierte auf 22 Monate Haft und gegen eine Sicherungsverwahrung.

ulz/dpa

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