G20-Ausschreitungen Autonome erhalten brisante Drohbriefe

Autonome in Berlin haben nach SPIEGEL-Informationen anonyme Briefe erhalten. Darin wird gedroht, Aktivisten an Polizei oder rechtsextreme Gruppen zu verraten. Die Sache wirkt wie ein Racheakt im Zuge der G20-Krawalle.
Haus Rigaer Straße 94 in Berlin (Archivfoto)

Haus Rigaer Straße 94 in Berlin (Archivfoto)

Foto: Paul Zinken/ picture alliance / dpa

In Treffpunkten der Berliner Linksradikalen sind in der Woche vor Weihnachten brisante anonyme Briefe eingegangen. Die Absender kündigen nach Informationen des SPIEGEL an, 42 angebliche Aktivisten der autonomen Szene an die Polizei oder rechtsextreme Gruppen zu verpfeifen. Zudem drohen sie: "Eure Gesichter Namen Adressen Fahrzeuge Eltern Geschwister sind sehr lange schon bekannt." (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Aktion hat den Geruch eines Racheakts. Die unbekannten Verfasser nennen als Grund ihrer Briefe die Veröffentlichung von Fotos Berliner Polizeibeamter durch das umstrittene Autonomenprojekt "Rigaer 94", das damit auf die öffentliche Fahndung der Hamburger Polizei nach mutmaßlichen Randalierern auf dem G20-Gipfel reagiert hat - mit dem erklärten Ziel, an die Privatadressen der Polizisten zu gelangen.

Die Weihnachtspost enthält Fotos und Angaben zu 18 Personen, die laut deren Anwälten nur von Polizei- oder Justizbehörden stammen können, darunter Personalausweisbilder, Informationen zu Urlaubsreisen oder zur körperlichen Statur der Abgebildeten.

Deckname der Absender ist ein "Zentrum für politische Korrektheit" - offenkundig eine Anspielung auf das bundesweit aktive "Zentrum für politische Schönheit" linker Aktionskünstler. Sie hatten im November einen verkleinerten Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals vor das Wohnhaus des AfD-Politikers Björn Höcke in Thüringen gestellt.

Umstrittene Öffentlichkeitsfahndung

Am vorvergangenen Montag startete die "Soko Schwarzer Block" der Hamburger Polizei mit einer Pressekonferenz eine der größten Öffentlichkeitsfahndungen in der Geschichte der Bundesrepublik. Sie veröffentlichten im Internet Fotos von 104 Personen, die sich an den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel beteiligt haben sollen.

Die Maßnahme ist nicht unumstritten. Kritik ernteten die Ermittler unter anderem vom Deutschen Anwaltverein (DAV), da die Öffentlichkeitsfahndung "schwer und nachhaltig in das Persönlichkeitsrecht" eingreife.

Während des Gipfels kam es teilweise zu massiven Ausschreitungen in der Hansestadt. Randalierer bauten brennende Barrikaden, zündeten Autos an, plünderten Geschäfte und bewarfen Beamte mit Steinen und Flaschen. Rund 3000 Ermittlungsverfahren führt die eingerichtete Sonderkommission. Auch gegen 115 Polizeibeamte wird ermittelt, die meisten Vorwürfe beziehen sich auf Körperverletzung im Amt. Seit August versucht ein Sonderausschuss in der Hamburger Bürgerschaft die Geschehnisse rund um den G20-Gipfel aufzuklären.

red
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