Hamburger G20-Polizeiführer Hart wie Dudde

Als G20-Einsatzchef der Hamburger Polizei geht Hartmut Dudde rigoros gegen Demonstranten vor. Für die Linken ist er seit Langem eine Hassfigur. Die eigenen Leute verehren ihn.
Hartmut Dudde

Hartmut Dudde

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa

Als Hartmut Dudde jüngst über den größten Einsatz seiner Karriere Auskunft geben sollte, saß er gut gelaunt auf einem Podium im Hamburger Polizeipräsidium. Freundlich, gelassen und selbstbewusst beantwortete der Leitende Polizeidirektor die Fragen zum G20-Gipfel, der am 7. und 8. Juli in der Hansestadt abläuft. "Gut schlafen kann ich", sagte Dudde. "Natürlich kriegen wir das hin."

Als Gesamteinsatzleiter ist er in diesen Tagen Chef von bis zu 20.000 Polizisten, die das Treffen der 20 wichtigsten Staats- und Regierungschefs sichern sollen. Und Dudde hat nie einen Zweifel daran gelassen, wie er das anstellen will: mit einer Law-and-Order-Strategie, die als "Hamburger Linie" bundesweit bekannt ist.

Etwa 30 Demonstrationen sind im Umfeld des Gipfels angemeldet worden. Die Behörden stellen sich auf 8000 Autonome ein, vielleicht auch auf mehr. Es sei mit massiven Angriffen zu rechnen, sagt Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Und bereits seit Tagen kommt es immer wieder zu Scharmützeln zwischen Polizei und Gipfelgegnern.

Schlag gegen Protestcamp

Es begann, als Dudde seine Leute am Wochenende bei einem Protestcamp auf der Halbinsel Entenwerder rigoros eingreifen ließ. Das Verwaltungsgericht hatte das Camp zunächst erlaubt, die Beamten wollten friedliche Demonstranten aber nicht übernachten lassen - und bauten Zelte eigenhändig ab. Erst später bestätigte das Verwaltungsgericht dieses Vorgehen, das Oberverwaltungsgericht hob das zugrunde liegende Verbot dann in Teilen wieder auf.

Gegner halten der Polizei Rechtsbruch vor. "Ist unser Rechtsstaat in Hamburg aktuell im Urlaub?", twitterte Linken-Chef Bernd Riexinger. Die Polizei erklärt, Schlafcamps dienten als Rückzugsraum für Militante - deshalb dulde man sie nicht. Am Dienstagabend ließ Dudde Wasserwerfer auffahren, weil Demonstranten Straßen auf St. Pauli blockierten.

Der Vorwurf, Dudde ignoriere Gesetze, ist nicht neu. In drei Fällen sah das Verwaltungsgericht Hamburg seit 2007 Rechtsverstöße der Polizei bei Einsätzen, an denen Dudde führend beteiligt war. Einmal ging es um die Auflage, dass bei einem Protestmarsch große Transparente nicht außen am Demonstrationszug getragen werden durften.

Als Dudde damit jüngst auf dem Podium im Polizeipräsidium konfrontiert wurde, lächelte er nur. Der Polizeipräsident ergriff das Wort, sprach von Legenden. Es gebe keine Urteile gegen Dudde. Und der Hamburger Senat betonte in einer Antwort auf eine Linken-Anfrage bereits vor zwei Jahren, die Urteile seien nicht gegen eine Person ergangen.

Hassfigur für Linke

Dudde weiß, dass er Linken als Hassfigur gilt. Es ficht ihn offenbar nicht an. "Ich muss verhältnismäßig, aber auch konsequent und immer im Sinne des Gesetzes handeln, das ist meine Linie", sagte er einst. "Wenn wir sagen, hier ist Schluss, dann ist da Schluss. Da reagieren wir auch. Wir warten nicht ab, wenn Straftaten begangen werden."

In der Praxis heißt das: Sobald sich Demonstranten vermummen oder Böller werfen, greifen Duddes Leute ein. Jeder, der eine Straftat begeht, wird aus dem Pulk herausgezogen. Und Dudde lässt Züge stoppen.

Ende 2013 eskalierte die Lage, als Dudde einen Zug aus 7000 Demonstranten, darunter 4700 Militante, nicht weiter gehen ließ, weil er zu früh losgelaufen war. Die anschließenden Krawalle nannte Dudde später die schwersten in seiner Karriere.

In der "G20-Fibel", dem internen Einsatzhandbuch der Polizisten, ermahnt Dudde seine Leute zu Entschlossenheit. Aktionen, die darauf gerichtet seien, den friedlichen Verlauf der Versammlungen und Aufzüge zu gefährden, seien "bei niedriger Eingriffsschwelle bereits im Entstehen wirksam und konsequent zu unterbinden".

Dudde, gebürtiger Karlsruher, hat seit 1984 in der Hamburger Polizei Karriere gemacht. Von 2005 an leitete er neun Jahre die Bereitschaftspolizei, seit 2014 ist er Chef der Direktion Einsatz im Präsidium. Sein Ruf als Hardliner, der klare Ansagen macht und jahrelang bei Demos an vorderster Front war, sichert ihm Gefolgschaft in den eigenen Reihen.

"Er ist ein sehr beliebter, klarer Polizeiführer", sagt Joachim Lenders, Vizechef der Deutschen Polizeigewerkschaft und Personalrat in Hamburg. Dudde sei "absolut der richtige Mann". Und auch interne Kritiker loben an Dudde handwerkliches Können und Führungsstärke.

Wie pflichtbewusst Dudde seine Rolle wahrnimmt, zeigt sein Umgang mit einer schweren Erkrankung: Ende April erlitt er einen Herzinfarkt. Nach fünf Fehltagen, so berichtet es das "Hamburger Abendblatt", war der zweifache Familienvater wieder im Dienst.

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