Gedenken an NSU-Opfer Rechtsextreme greifen Polizisten an

Eigentlich hätte in Rostock an das NSU-Opfer Mehmet Turgut gedacht werden sollen. Doch offenbar haben am Rande der Kundgebung schwarz gekleidete Vermummte mehrere Zivilpolizisten mit einer Eisenstange angegriffen. Neun Personen aus der rechten Szene wurden festgenommen.
Provisorische Gedenktafel für NSU-Opfer Turgut in Rostock: Rechte stören Gedenken

Provisorische Gedenktafel für NSU-Opfer Turgut in Rostock: Rechte stören Gedenken

Foto: dapd

Rostock - 400 Meter von der Kundgebung entfernt wurden die Zivilpolizisten stutzig: Sie bemerkten eine Gruppe von 20 bis 30 schwarz gekleideten Vermummten, gaben sich ihnen als Beamte zu erkennen - und wurden attackiert. "Aus der Gruppe heraus" sei eine Eisenstange auf die Beamten geschleudert worden, berichtete die Polizei in Rostock am Samstag. Ein Polizist sei am Knie verletzt worden und musste ärztlich versorgt werden. Die Tatverdächtigen flüchteten.

Die Attacke fand während einer Kundgebung zum Gedenken an ein Opfer der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle statt. Etwa 100 Personen waren dem Aufruf der Linkspartei gefolgt, friedlich dem 2004 ermordeten Mehmet Turgut zu gedenken. Die Polizei geht davon aus, dass die Gruppe der Vermummten - den Angaben zufolge hatten sie Schlagwaffen bei sich - dieses Gedenken stören wollten.

Bei der anschließenden Fahndung nach den Flüchtigen ergriff die Polizei neun Menschen, "die Sturmhauben und Schlauchschals zur Vermummung bei sich trugen und der rechten Szene zuzuordnen sind". Die Polizei prüft nun, ob eine dieser Personen die Stange geworfen hat. Die Kriminalpolizei ermittle wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs.

Am 25. Februar 2004 war Turgut in einem Dönerstand im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel erschossen worden, kurz nach 10 Uhr am Vormittag. Er wurde 25 Jahre alt.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Republik in einer großen Gedenkfeier um die Opfer des rechtsradikalen Terrors getrauert. Neun Einwanderer und eine Polizistin hatte das Neonazi-Trio des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU) ermordet.

aar/dpa
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