Vergewaltigungsvorwürfe Neue Ermittlungen gegen Strauss-Kahn

Der Fall Strauss-Kahn geht in die nächste Runde: Die Staatsanwaltschaft im nordfranzösischen Lille hat Vorermittlungen wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung gegen den Ex-IWF-Chef eingeleitet. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe.

Dominique Strauss-Kahn bei der Wahl im Mai: Neue Vorermittlungen
REUTERS

Dominique Strauss-Kahn bei der Wahl im Mai: Neue Vorermittlungen


Hamburg - In der Affäre um einen Callgirl-Ring hat die französische Justiz Vorermittlungen gegen Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung angeordnet. Dies teilte die Staatsanwaltschaft im nordfranzösichen Lille in einer Erklärung mit. In der Affäre geht es um Sex-Partys in Luxushotels, an denen der einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten teilgenommen hat.

Die Staatsanwaltschaft in Lille wirft Strauss-Kahn auch "organisierte Zuhälterei" vor; dazu läuft bereits ein Ermittlungsverfahren. Nun ordnete sie außerdem Untersuchungen zum Vorwurf gewalttätiger Sex-Praktiken an. Strauss-Kahn hat zwar zugegeben, an einer Reihe von Sex-Partys in Paris, Brüssel und Washington teilgenommen zu haben. Er versichert aber, nicht gewusst zu haben, dass es sich um Prostituierte handelte. Strauss-Kahn widersprach zudem den Aussagen eines Callgirls, wonach sie bei einem der Abende im Dezember 2010 in Washington gegen ihren Willen zu Sexspielen gezwungen worden sei.

Es habe "nie Verkehr unter Zwang" gegeben, versicherte der frühere IWF-Chef nach einem Bericht der Zeitung "Le Monde" von Ende März. Strauss-Kahn sprach dem Bericht zufolge von "Lüge". Die Frau, die sich belgischen Ermittlern gegenüber geäußert hatte, erstattete nie Anzeige. Auch eine weitere Frau soll gewalttätige und "bestialische" Sex-Praktiken beschrieben haben. Die Partys wurden von Geschäftsmännern bezahlt. Unklar ist auch, ob sich Strauss-Kahn über die Herkunft des Geldes im Klaren war.

Vor wenigen Tagen hatte Strauss-Kahn seinerseits Klage eingereicht: Wegen Verleumdung fordert er in den USA eine Million Dollar Schadensersatz von dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo. Sie wirft dem 63-Jährigen vor, sie im Mai vergangenen Jahres in seiner Hotelsuite in New York zum Oralsex gezwungen zu haben.

jbr/afp

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eigene_meinung 21.05.2012
1. Vorteilsnahme im Amt
Die wesentliche Straftat, die man DSK vorwerfen muss, wäre nach deutschem Strafrecht § 331 Vorteilsannahme. Ich denke, dass es im französischen bzw. US-amerikanischen Recht etwas ähnliches gibt.
Asirdahan 21.05.2012
2. ohne
Zitat von sysopREUTERSDer Fall Strauss-Kahn geht in die nächste Runde: Die Staatsanwaltschaft im nordfranzösischen Lille hat Vorermittlungen wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung gegen den Ex-IWF-Chef eingeleitet. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,834145,00.html
Meines Erachtens ist SK zwar nicht der Typ eines Vergewaltigers. Aber wer solche Sexpartys besucht und dabei Präsident Frankreichs werden will, was denkt er sich dabei? Das ist keine Privatsache mehr. Es gibt einfach Ämter, die so etwas nicht vertragen. Der Papst kann auch nicht auf Sexpartys gehen. Dass SK nicht gewusst haben will, dass die Frauen Prostituierte sind, ist lächerlich. Wenn es dort eine Menge hübscher und williger Frauen auf der Party gab, was sollen die denn sonst gewesen sein? Die Ehefrauen seiner Geschäftsfreunde?
own_brain_user 21.05.2012
3. Also das, ...
Zitat von AsirdahanMeines Erachtens ist SK zwar nicht der Typ eines Vergewaltigers. Aber wer solche Sexpartys besucht und dabei Präsident Frankreichs werden will, was denkt er sich dabei? Das ist keine Privatsache mehr. Es gibt einfach Ämter, die so etwas nicht vertragen. Der Papst kann auch nicht auf Sexpartys gehen. Dass SK nicht gewusst haben will, dass die Frauen Prostituierte sind, ist lächerlich. Wenn es dort eine Menge hübscher und williger Frauen auf der Party gab, was sollen die denn sonst gewesen sein? Die Ehefrauen seiner Geschäftsfreunde?
... das glaube ich nicht.
HBundy 21.05.2012
4. Gott sei Dank...
...kann uns das mit Mutti nicht passieren.
Dr. Kilad 21.05.2012
5. Na, wenigstens ein Lichtblick
Anders als in den USA, scheint in Frankreich die Justiz noch zu fuinktionieren
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