Australien Geschwister zahlten jahrelang keine Steuern - unter Berufung auf "Gottes Willen"

Acht Jahre lang weigerten sich zwei Australier, Einkommensteuer zu zahlen - angeblich aus religiösen Gründen. Nun entschied ein Gericht, dass die beiden mehr als zwei Millionen Dollar nachzahlen müssen.

Der Oberste Gerichtshof in Tasmanien verurteilte die frommen Steuerpreller zur Einhaltung irdischer Gesetze
Robert Szymanski/ Shutterstock

Der Oberste Gerichtshof in Tasmanien verurteilte die frommen Steuerpreller zur Einhaltung irdischer Gesetze


Das australische Geschwisterpaar Fanny Alida Beerepoot und Rembertus Cornelis Beerepoot hat sich seit 2011 geweigert, Einkommensteuer zu zahlen. Denn sie hätten realisiert, dass das "gegen Gottes Willen sei", wie australische Medien berichten.

Der Oberste Gerichtshof im Bundesstaat Tasmanien war anderer Ansicht und verurteilte die Beerepoots am Mittwoch dazu, 2,3 Millionen Australische Dollar an die Steuerbehörden nachzuzahlen. Das entspricht mehr als 1,4 Millionen Euro.

Rembertus Cornelis Beerepoot argumentierte vor Gericht, das australische Steuerrecht verstoße gegen das Gesetz des "allmächtigen Herrn". Und weil Australien sich Gottes Gesetzen widersetze, werde es mit Flüchen überzogen, die man bereits in Form von Dürren und Unfruchtbarkeit sehe.

Richter: "Du sollst keine Steuern zahlen" stehe nicht in der Bibel

Er und seine Schwester hätten deshalb auch Briefe an den australischen Premierminister Scott Morrison und an Queen Elizabeth II. geschrieben, die formal das Staatsoberhaupt Australiens ist. Darin hätten sie die Gerechtigkeit von Steuern und die Gültigkeit von Gesetzen infrage gestellt.

Richter Stephen Holt folgte dieser Argumentation nicht. Seiner Kenntnis nach gebe es in der Bibel keine Stelle, die besagt: "Du sollst keine Steuern zahlen". So lange die Geschwister ihm diese Stelle nicht zeigen könnten, hätten sie schlechte Chancen. Er nahm den Beerepoots aber ab, wirklich aus Frömmigkeit zu handeln und nicht nur einen Grund dafür zu suchen, keine Steuern zu bezahlen.

Bereits 2017 kamen die Geschwister in Konflikt mit irdischen Gesetzen. Damals wurde ihre Honigfarm im Meander Valley von lokalen Behörden beschlagnahmt und später für 120.000 Australische Dollar verkauft. Sie hatten sich seit 2011 geweigert, Abgaben und Gebühren an die Gemeinde zu bezahlen - weil das Land Gott gehöre und nicht der Gemeinde.

yer

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insgesamt 5 Beiträge
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bebau 18.07.2019
1. Römer 13, 6-7
Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht. 7 So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.
a-cause-de 18.07.2019
2. Oh Gott, oh Gott!
Wo sind wir denn? In welchem Jahrhundert leben wir? Da sagt ein Richter, dass die Beklagten "schlechte Chancen" hätten, Ihre Vorstellungen durchzusetzen, solange sie in der Bibel nicht den entsprechenden Passus vorzeigen können. Soll das heißen, niedergeschriebene Anweisungen aus irgendwelchen religiösen Schriften könnten gerichtlich eingefordert werden? Das ist doch völliger Quatsch. Ob Bibel, Koran oder Tanach, das sind alles menschenverfasste Texte aus voraufgeklärten Zeiten und somit ohne juristische Bedeutung. Wir können froh sein, dass wir uns heute nicht mehr an diesen archaischen Texten orientieren müssen. Ein Bürgerliches Gesetzbuch reicht.
ichliebeeuchdochalle 18.07.2019
3.
Zitat von a-cause-deWo sind wir denn? In welchem Jahrhundert leben wir? Da sagt ein Richter, dass die Beklagten "schlechte Chancen" hätten, Ihre Vorstellungen durchzusetzen, solange sie in der Bibel nicht den entsprechenden Passus vorzeigen können. Soll das heißen, niedergeschriebene Anweisungen aus irgendwelchen religiösen Schriften könnten gerichtlich eingefordert werden? Das ist doch völliger Quatsch. Ob Bibel, Koran oder Tanach, das sind alles menschenverfasste Texte aus voraufgeklärten Zeiten und somit ohne juristische Bedeutung. Wir können froh sein, dass wir uns heute nicht mehr an diesen archaischen Texten orientieren müssen. Ein Bürgerliches Gesetzbuch reicht.
Ich lese etwas anderes daraus: Der Richter in Australien hat eine Begründung mit Augenzwinkern gefunden. Man kann heute die Bibel in Sekundenschnelle (pdf, rtf, txt) durchsuchen. Wohlwissend, daß es keine solche Stelle gibt, die es einem glaubenden Christen "verbietet", Steuern zu zahlen, hat er nicht die normale juristische Begründung gewählt sondern den Beklagten quasi mit den "eigenen Waffen" geschlagen. Wie gesagt "augenzwinkernd". Ich finde das menschlich von diesem Richter. Gefällt mir.
jankleinmann 18.07.2019
4. Selbst wenn
so etwas in diesem Buch stehen würde, auch in Australien gilt - "gottseidank" - irdisches Recht.
geotie1 18.07.2019
5.
Steuern wollen die nicht zahlen, aber Geld das nehmen die an! Und wie kommen die auf die Idee, auf Gottes Erde etwas in Beschlag zu nehmen? Wenn die so an Gott glauben, dann können die ruhig Steuern zahlen. Steuern hilft beim Bau von Verkehrswegen, hilft in der Not, verteidigt das Land etc. Ist also eine soziale Angelegenheit!
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