Geheimbericht Hunderte Selbstmordattentäter warten in Großbritannien auf ihren Einsatz

Ein geheimes Dokument des britischen Nachrichtendiensts schreckt die Öffentlichkeit auf: Nach Erkenntnissen des MI5 ist die Gefahr eines Terror-Anschlags im Königreich so hoch wie seit dem 11. September 2001 nicht mehr. Die Ermittler vermuten 2000 potentielle Selbstmordattentäter im Land.


Hamburg - Dem "Sunday Telegraph" liegt ein bislang geheim gehaltenes Dokument vor, das bisher nur sicherheitsrelevante Stellen kannten: das Verteidigungsministerium, der Geheimdienst MI5, Scotland Yard und das Büro von Premierminister Tony Blair. Die Akte hat die Überschrift "Internationaler Terrorismus im Vereinigten Königreich".

Wachen vor dem Parlament in London: Die Geheimdienste warnen vor neuen Anschlägen
AP

Wachen vor dem Parlament in London: Die Geheimdienste warnen vor neuen Anschlägen

Aus dem Papier geht hervor, dass die Terrorgefahr derzeit höher ist als zu jedem beliebigen Zeitpunkt seit den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001. Und die Gefahr kommt von innen: Die Zahl der in Großbritannien lebenden islamistischen Terroristen, die Selbstmordattentate gegen sogenannte weiche Ziele - das heißt gegen Menschen - ausüben könnten, ist dem Papier zufolge weitaus höher als von den Behörden bisher angenommen. Sie rechnen damit, dass sich rund 2000 mögliche Attentäter im Land aufhalten.

Die Zeitung zitiert aus den Unterlagen: "Das Ausmaß der Bemühungen von al-Qaida, Anschläge im Vereinigten Königreich auszuüben, und die Anzahl von Extremisten im UK, die vorbereitet sind, Anschläge auszuüben, sind sogar größer als wir jüngst noch dachten."

Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die Vorbereitungen für Anschläge gegen Großbritannien 2007 weiter zunehmen werden. In dem Papier heißt es in bürokratischer Sprache: "Wir glauben immer noch, das al-Qaida fortfahren wird, Gelegenheiten auszukundschaften, um Angriffe mit massenhaft Opfern zu führen gegen weiche Ziele und wichtige Infrastrukturobjekte. Für diese Angriffe werden sehr wahrscheinlich Selbstmordattentäter herangezogen werden."

Besonders im Visier der militanten Islamisten seien Bahnen und Busse. Den Terroristen gehe es auch darum, wirtschaftlichen Schaden anzurichten, daher sei die Finanz- und Wirtschaftsmetropole London besonders gefährdet.

Das bisher geheim gehaltene Dokument weist zudem aus, das al-Qaida zu einer weltweit operierenden Organisation geworden ist mit festen Basen in jedem muslimischen Land in Nordafrika, im Nahen Osten und in Zentralasien.

Das Papier deckt sich in etwa mit Aussagen von Eliza Manningham-Buller, Direktorin des Geheimdiensts MI5. Sie warnte neulich davor, dass rund 1600 "identifizierte Individuen" aktiv an der Planung terroristischer Anschläge beteiligt sind. Sie geht davon aus, dass es mindestens 30 verschiedene Pläne für Anschläge gibt. Rund 200 Zellen seien daran beteiligt. Es sei durchaus denkbar, dass die Anzahl britischer Bürger, die an terroristischen Verschwörungen beteiligt sind, bei rund 2000 liegt.

Britische Politiker nehmen das Szenario des Geheimdienstes ernst: Ein führender Politiker, der nicht genannt wird, sagte, das Bild, welches in dem Dokument gezeichnet wird, sei trostlos und daran werde sich auch die nächsten Jahre nichts ändern. Die Sicherheitsdienste hätten ständig darauf hingewiesen, die Aufgabe, den islamistischen Terror zu bekämpfen, sei entmutigend. "Es wird weitere Anschläge in Großbritannien geben."

Patrick Mercer, sicherheitspolitischer Sprecher der Torys, sagt: "Dieses Dokument unterstreicht, wie bedroht wir sind. Ich frage mich, warum die Regierung noch immer eine Terror-Bekämpfungsstrategie fährt, die offiziell für überflüssig erklärt wurde. Die Regierungspolitik erweist sich als ziemlich selbstgefällig."

asc



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