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21. April 2019, 21:58 Uhr

Gelbwesten-Proteste in Frankreich

Staatsanwalt ermittelt nach Suizidaufrufen

Bei den jüngsten Gelbwesten-Protesten haben Demonstranten die Sicherheitskräfte in Sprechchören zum Selbstmord aufgefordert - jetzt wird die Justiz aktiv. Allein in Paris gab es am Wochenende mehr als 200 Festnahmen.

Nach den Selbstmord-Aufforderungen an Polizisten bei der Gelbwesten-Demonstration in Paris hat die französische Justiz nun Ermittlungen eingeleitet. Wie die Staatsanwaltschaft in der französischen Hauptstadt am Sonntag erklärte, wird den Demonstranten "gemeinschaftliche Beleidigung von Amtsträgern" vorgeworfen.

Am Samstag hatten Teilnehmer der Proteste die Sicherheitskräfte mit "Bringt euch um! Bringt euch um!"-Sprechchören zum Suizid aufgefordert - und damit öffentliche Empörung ausgelöst. Seit Beginn des Jahres gibt es eine Reihe von Selbstmorden unter Polizisten.

Neben der größten französische Polizeigewerkschaft Alliance, die von einem "Höhepunkt des Hasses" auf Polizisten sprach, zeigten sich auch französische Politiker entsetzt. Innenminister Christophe Castaner twitterte, dass sich die Betroffenen schämen sollten.

Erneute Ausschreitungen

Bei den ersten Gelbwesten-Protesten seit dem Brand von Notre Dame war es erneut zu Ausschreitungen gekommen, mehr als 200 Menschen wurden festgenommen. Einige Demonstranten sollen sich über die angekündigten Spenden geärgert haben, die in kurzer Zeit für den Weideraufbau der Kathedrale zusammenkamen.

Seit fünf Monaten demonstrieren die Menschen für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Am Donnerstag will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seine Reformpläne vorstellen, die er unter dem Druck der anhaltenden Demonstrationen entwickelt hat.

hba/AFP

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