Gelbwesten-Proteste in Frankreich Staatsanwalt ermittelt nach Suizidaufrufen

Bei den jüngsten Gelbwesten-Protesten haben Demonstranten die Sicherheitskräfte in Sprechchören zum Selbstmord aufgefordert - jetzt wird die Justiz aktiv. Allein in Paris gab es am Wochenende mehr als 200 Festnahmen.

Demonstranten stehen vor einem brennenden Motorrad
Francisco Seco/DPA

Demonstranten stehen vor einem brennenden Motorrad


Nach den Selbstmord-Aufforderungen an Polizisten bei der Gelbwesten-Demonstration in Paris hat die französische Justiz nun Ermittlungen eingeleitet. Wie die Staatsanwaltschaft in der französischen Hauptstadt am Sonntag erklärte, wird den Demonstranten "gemeinschaftliche Beleidigung von Amtsträgern" vorgeworfen.

Am Samstag hatten Teilnehmer der Proteste die Sicherheitskräfte mit "Bringt euch um! Bringt euch um!"-Sprechchören zum Suizid aufgefordert - und damit öffentliche Empörung ausgelöst. Seit Beginn des Jahres gibt es eine Reihe von Selbstmorden unter Polizisten.

Neben der größten französische Polizeigewerkschaft Alliance, die von einem "Höhepunkt des Hasses" auf Polizisten sprach, zeigten sich auch französische Politiker entsetzt. Innenminister Christophe Castaner twitterte, dass sich die Betroffenen schämen sollten.

Erneute Ausschreitungen

Bei den ersten Gelbwesten-Protesten seit dem Brand von Notre Dame war es erneut zu Ausschreitungen gekommen, mehr als 200 Menschen wurden festgenommen. Einige Demonstranten sollen sich über die angekündigten Spenden geärgert haben, die in kurzer Zeit für den Weideraufbau der Kathedrale zusammenkamen.

Seit fünf Monaten demonstrieren die Menschen für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Am Donnerstag will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seine Reformpläne vorstellen, die er unter dem Druck der anhaltenden Demonstrationen entwickelt hat.

hba/AFP



insgesamt 12 Beiträge
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Haarfoen 21.04.2019
1. Reformpläne
Na dann warten wir doch mal die Reformpläne ab. Die aufdringlich spendenden Milliardäre vereinfachen die Sache nicht. Es wäre ein positives Signal, wenn die in prekären Verhältnissen lebenden Mitmenschen ein größeres Maß an Zuwendung und Wohlstand abbekommen würden. Wahrscheinlich werden es zunächst nur ein paar Peanuts sein und die Proteste gehen in die nächste Runde ...
Sensør 21.04.2019
2. Provokation gegen Provokation?
Auch wenn es bitter ist, das es in der Vergangenheit tatsächlich Selbstmorde unter Polizisten gab: DIe Sprechchöre der Gelbwesten verstehe ich als verbale Provokation, die Reaktionen der Staatsorgane sind jämmerlich und lächerlich zugleich. Armut verschwindet nicht, wenn man verzweifelten Demonstranten den Mund verbietet. Vor der Hartnäckigkeit der Demonstranten ziehe ich meinen Hut.
Ventil4tor 21.04.2019
3. Übertreibung
Ich habe nichts gegen Demos, aber ist das nicht hart übertrieben? Sachschäden anrichten hat nichts mit Demonstration zu tun. Hat man gut in Hamburg gesehen. Läden verwüsten, Autos anzünden. Jaaa tolle Demos sind das. Hirnlose Gewalt aus Vergnügen.
c.heinemann 22.04.2019
4. so sehr dies auch traurig ist......
........noch ist das Feuer verhalten aber es schwelt in der Arbeiter-und Mittelklasse aber die Zustände ähneln sehr denen vor der französischen Revolution, während die wenigen Reichen keine Steuern oder wenig Steuern zahlen, und die weniger verdienenden alle Steuerlast auffangen müssen und gleichzeitig die reichen Familien wie Bettancourt etc sich durch Spenden hinsichtlich des Wiederaufbaus der Notre Dame versuchen sich zu profilieren(durch ihre Steuerersparnisse).Das stinkt gewaltig nach einer Wiederauflage der Revolution, Marine LePen reibt sich die Hände, ihr Wählerzulauf wird noch einmal einen Aufwind erleben.Die Präsidenten der letzten Jahre sind nur zu Präsidenten geworden weil im zweiten Wahlgang keine richtige Wahl mehr bestand, eben nur zwischen den etablierten Parteien und der der LePen, Marine LePen gehört aber auch zu den reichen Familien Frankreichs. Die Gefahr eines gewaltigen Rechtsruck wird sich vielleicht auch schon in den bevorstehenden Europawahlen abzeichnen.Wie schon eingangs erwähnt es wird sehr unruhig auf den französischen Strassen werden.
dasfred 22.04.2019
5. Zu Nr.1 Haarfoen
Wirklich prekär leben wohl eher die Menschen in Ostasien, die die gelben Westen genäht haben. Das reine Nettoeinkommen sagt nichts über die Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Leben aus. Natürlich ist jemand äußerst verärgert, der es sich nicht leisten kann, im angesagten Inviertel zu leben und alles zu konsumieren, was der Markt bietet. Aber macht es die Leute glücklich, wenn man ihnen leistungslos Geld zum verjuxen in die Hand drückt. Was viele Protestler nie begreifen werden, ist, dass sie von klein auf Verantwortung für ihr späteres Leben tragen. Es mag cool sein, in der Schule die Streber zu mobben, aber es ist nicht mehr cool, zwanzig Jahre später von den ehemaligen Strebern zu verlangen, diese sollen für ihren Unterhalt aufkommen. Wenn man beklagt, dass Kinder von Alleinerziehenden kaum Chancen haben, noch dazu, wenn die Eltern aus bildungsfernen Schichten kommen, hilft es wohl kaum, wenn man den Eltern mehr Geld gibt. Hilfe bedeutet dann, dass man die Kinder dem Einfluss ihrer Eltern entziehen muss. Das ist aber auch wieder falsch. Also muss das Übel an der Wurzel gepackt werden. Eltern, die ihren Kindern nicht die bestmögliche Ausbildung geben wollen, müssen dann selbst zur Fortbildung genötigt werden. Sie brauchen nicht mehr Geld, sondern ein Bewusstsein für die Verantwortung, die sie tragen. Über die paar Reichen kann man sich gesondert kümmern. Diese müssen irgendwann begreifen, dass sie nicht weiter die Infrastruktur und gratis ausgebildete Menschen nutzen dürfen, in dem sie dem Staat Geld leihen, damit er alles bezahlt, sondern dass sie selbst an den Kosten beteiligt werden. Wer sein Geld im Land verdient, muss es auch vor Ort investieren. Nicht nur direkt, sondern auch über angemessene Steuern.
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