Australischer Kardinal Berichte über Missbrauchsprozess - Journalisten angeklagt

Weil sie über den Missbrauchsprozess gegen Kardinal George Pell berichtet haben, drohen 23 Journalisten in Australien Freiheitsstrafen. Sie sollen eine umstrittene Nachrichtensperre missachtet haben.

Kardinal George Pell (Ende Februar vor Gericht in Melbourne)
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Kardinal George Pell (Ende Februar vor Gericht in Melbourne)


In Australien drohen mehreren Journalisten Geld- oder sogar Freiheitsstrafen - wegen Berichten über den Missbrauchsprozess gegen den ehemaligen Vatikan-Finanzchef George Pell. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Victoria hat Anklage gegen 23 Journalisten erhoben. Ihnen wird zur Last gelegt, gegen eine von Gericht angeordnete Nachrichtensperre verstoßen zu haben.

Kardinal Pell war wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Chorknaben in diesem Monat zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Über das Verfahren gegen den 77-Jährigen durfte lange Zeit nicht berichtet werden.

Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte nun die Namen von 23 Journalisten und 13 Medienhäusern, die auf unterschiedliche Weise gegen die Nachrichtensperre verstoßen haben sollen. Einige australische Medien hatten als Schlagzeile das Wort "Zensiert" gewählt, andere hatten anonymisiert berichtet - über einen hochrangigen Angeklagten, der eines ernsten Verbrechens angeklagt sei, über das man nicht berichten könne.

Höchststrafe liegt bei fünf Jahren Gefängnis

Betroffen sind renommierte Blätter wie der "Sydney Morning Herald", die "Brisbane Times" oder "The Age". Ausländische Journalisten und Medien sind nicht darunter. Die Verfahren sollen Mitte April vor einem Gericht in Melbourne beginnen. Die Höchststrafen für eine Missachtung des Gerichts liegen in Victoria bei fünf Jahren Gefängnis und Bußgeldern von umgerechnet mehr als 60.000 Euro. Unternehmen können mit Strafzahlungen bis zu einer halben Million australischen Dollar belegt werden - mehr als 300.000 Euro.

Während des mehrmonatigen Prozesses gegen Pell durfte über das Verfahren praktisch nicht berichtet werden - eigentlich auch nicht in ausländischen Medien, wenn diese in Australien empfangen werden konnten. In Zeiten des Internets kam dies einem strikten Verbot gleich. Das Gericht hatte die "Suppression Order" damit begründet, dass Geschworene in einem geplanten anderen Verfahren gegen Pell von den Berichten beeinflusst werden könnten. Viele sahen darin eine Einschränkung der Pressefreiheit.

wit/dpa

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