Verurteilter Ex-Finanzchef des Vatikans George Pell zieht vor Australiens höchstes Gericht

Ein erster Berufungsantrag scheiterte, nun wendet sich der Ex-Finanzchef des Vatikans an das höchste Gericht Australiens: George Pell ficht seine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs zweier Chorknaben weiter an.

George Pell im Februar 2019 in Melbourne: Der 78-Jährige kann nach jetzigem Stand frühestens im Jahr 2022 aus der Haft entlassen werden
David Crosling/AAP/ DPA

George Pell im Februar 2019 in Melbourne: Der 78-Jährige kann nach jetzigem Stand frühestens im Jahr 2022 aus der Haft entlassen werden


Der ehemalige Finanzchef des Vatikans, George Pell, will sich weiter juristisch gegen seine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs wehren: Seine Anwälte reichten am Dienstag vor dem obersten australischen Gericht einen Berufungsantrag ein. Ob sich der High Court aber tatsächlich mit dem Fall befasst, ist noch unklar.

Ein Gericht hatte Pell im Frühjahr wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt - als ranghöchsten Geistlichen in der Geschichte der katholischen Kirche. Der 78-Jährige kann frühestens im Jahr 2022 aus der Haft entlassen werden.

Pell weist die Vorwürfe zurück. Mit einem Berufungsantrag vor dem höchsten Gericht des Bundesstaats Victoria scheiterte er im August. Die Entscheidung der drei Richter fiel allerdings nicht einstimmig aus, sondern mit einer Mehrheit von 2:1. Im Anschluss hatten Pells Anwälte 28 Tage Zeit, um sich an das höchste Gericht Australiens zu wenden, den High Court in Canberra. Das ist nun geschehen.

Pell hatte seit Jahrzehnten ranghohe Ämter in der katholischen Kirche inne. 2014 ernannte Papst Franziskus ihn zum Finanzchef des Vatikans, Pell stand damit in der Hierarchie des Kirchenstaats auf Platz drei. Die Anschuldigungen gegen ihn reichen in die Jahre 1996 und 1997 zurück, als er gerade Erzbischof von Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne geworden war. Die beiden Chorknaben waren damals 13 Jahre alt. Einen der Jungen zwang Pell nach Überzeugung des Gerichts zum Oralsex.

Eines der mutmaßlichen Missbrauchsopfer war 2014 an einer Überdosis Heroin gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäußert. Der heute 35-jährige Überlebende war in dem Prozess der entscheidende Belastungszeuge.

aar/Reuters

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