Berliner Vermisstenfall Prozess gegen mutmaßlichen Mörder von Georgine Krüger vertagt

2006 verschwand die Berliner Schülerin Georgine Krüger spurlos. Nun hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der sie getötet haben soll. Der Verhandlungstag endete jedoch schon vor Verlesung der Anklage.

Ein 44-Jähiger soll der Mörder von Georgine Krüger sein
Paul Zinken/ DPA

Ein 44-Jähiger soll der Mörder von Georgine Krüger sein


Der Prozess im Vermisstenfall Georgine Krüger ist bereits kurz nach Beginn unterbrochen und vertagt worden. Ein 44-Jähriger ist in Berlin wegen Vergewaltigung und Mordes an der vor knapp 13 Jahren verschwundenen Schülerin angeklagt.

Das Landgericht gab noch vor dem Verlesen der Anklage einem Antrag der Verteidigung auf Überprüfung der Gerichtsbesetzung statt. Die Verhandlung soll am 7. August fortgesetzt werden. Die Anwälte hatten gerügt, die Besetzung des Gerichts mit Schöffen sei erst einen Tag vor Beginn der Hauptverhandlung und damit zu kurzfristig mitgeteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, Georgine Krüger im September 2006 auf dem Heimweg von der Schule abgepasst und in einen Keller seiner Wohnung in Berlin-Moabit gelockt zu haben. Dort soll er die 14-Jährige mit einem Metallgegenstand bewusstlos geschlagen, vergewaltigt und erwürgt haben. Eine Leiche wurde jedoch nie gefunden.

"Das Ganze ist für mich sehr belastend"

Der Angeklagte soll laut Staatsanwältin Ilka von Koppenfels die Tat einem verdeckten Ermittler gestanden haben. Diesem habe er gesagt, er habe das Mädchen im Müll entsorgt. Die Anklage beruhe auf diesen Angaben sowie Handyauswertungen. Das Telefon des Angeklagten sei zur mutmaßlichen Tatzeit in derselben Funkzelle eingeloggt gewesen wie das der Vermissten. Die Verteidiger erklärten, sie strebten einen Freispruch für ihren Mandanten an.

Erst 2017 kamen Ermittler auf die Spur des Mannes, der in derselben Straße wie Georgine Krüger wohnte. Er war bereits 2013 wegen sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er sitzt seit Dezember 2018 in Untersuchungshaft.

Staatsanwältin von Koppenfels sagte, ihr seien keine Nachlässigkeiten bei den Ermittlungen bewusst. Es sei eher so, dass durch den langen Atem der Ermittlungsbehörden der Tatverdächtige gefasst werden konnte.

Die Mutter des Mädchens ist in dem Prozess Nebenklägerin. Sie kam zum Prozessauftakt nicht ins Gericht. Sie hoffe auf Klarheit, hatte sie vorab über ihren Anwalt Roland Weber mitgeteilt. "Insgesamt ist das Ganze für mich sehr belastend", ließ sie übermitteln.

bbr/dpa



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