Bonner Amtsgericht Behinderte Tochter lärmt zu viel - Mutter verurteilt

Heftiges Schlagen gegen Wände und Fenster sowie stundenlanges Gebrüll: Das Bonner Amtsgericht hat eine 82-Jährige verurteilt, weil deren geistig behinderte Tochter die Ruhe in einer Reihenhaussiedlung in Nordrhein-Westfalen störe.


Bonn - Die 82 Jahre alte Mutter einer geistig behinderten Frau muss dafür sorgen, dass ihre Tochter weniger Krach macht. Das hat das Bonner Amtsgericht entschieden. Trotz der hohen Lärm-Toleranz für Behinderte hätten auch die Nachbarn ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, wozu die Nachtruhe gehöre, urteilte der Amtsrichter.

Ein benachbartes Ehepaar hatte die Frau, die mit ihrer Tochter seit Jahrzehnten unter einem Dach lebt, wegen extremer Ruhestörung in einer Reihenhaussiedlung im nordrhein-westfälischen Bornheim auf Unterlassung verklagt. Durch heftiges Schlagen gegen Wände und Fenster sowie durch stundenlanges Gebrüll und auch Beleidigungen terrorisiere die 57-jährige Tochter regelmäßig die Siedlung. Sie hole die Nachbarn morgens aus dem Schlaf.

Der Amtsrichter urteilte, die tägliche Ruhestörung sei extrem. In diesem Fall müsse das verfassungsrechtlich geschützte Gebot, auf die Belange Behinderter besonders Rücksicht zu nehmen, zurückstehen. Der Richter zeigte sich davon überzeugt, dass es noch Möglichkeiten wie therapeutische und medizinische Maßnahmen gebe, Einfluss auf die Tochter zu nehmen.

Darum soll sich jetzt die Mutter kümmern. Andernfalls muss die 82-Jährige mit einem Ordnungsgeld oder Ordnungshaft rechnen.

Az.: AG Bonn 101 C 194/13

wit/dpa



insgesamt 17 Beiträge
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swische 27.03.2014
1. Hat der schlaue Richter
auch mal darüber nachgedacht, dass die Mutter in ihrem hohen Alter kognitiv mit der Situation überfordert sein könnte? Aus medizinischer Sicht ein Urteil mit voraussehbarem Ausgang. Der Lärm wird weitergehen, schon alleine auch deswegen, weil die Seniorin ihrer Tochter körperlich unterlegen sein dürfte. Mit einem geschulten gesetzlichen Betreuer wäre die Situation in kurzer Zeit zu entschärfen. Der Richter hätte die Möglichkeit gehabt, das anzuregen. Kein sonderlich glänzendes soziales Aushängeschild für Deutschland Herr Richter!
Blaue Fee 27.03.2014
2. Tja...
Was soll man dazu sagen? Schwierige Situation für die alte Mutter, die Tochter wird wohl demnächst in ein Heim müssen und nicht erst, wenn die Mutter verstorben ist. Geistig Behinderte sind eben nicht immer nur niedliche leicht behinderte Down-Kinder, sondern oft sehr schwer zu beherrschende jähzornige Menschen.
Flari 27.03.2014
3. Hat der schlauer Forist...
Zitat von swischeauch mal darüber nachgedacht, dass die Mutter in ihrem hohen Alter kognitiv mit der Situation überfordert sein könnte? Aus medizinischer Sicht ein Urteil mit voraussehbarem Ausgang. Der Lärm wird weitergehen, schon alleine auch deswegen, weil die Seniorin ihrer Tochter körperlich unterlegen sein dürfte. Mit einem geschulten gesetzlichen Betreuer wäre die Situation in kurzer Zeit zu entschärfen. Der Richter hätte die Möglichkeit gehabt, das anzuregen. Kein sonderlich glänzendes soziales Aushängeschild für Deutschland Herr Richter!
auch mal daran gedacht, dass der böse Richter genau das wohl gemacht hat?
malanda 27.03.2014
4. Danke für Ihre Antwort
Zitat von swischeauch mal darüber nachgedacht, dass die Mutter in ihrem hohen Alter kognitiv mit der Situation überfordert sein könnte? Aus medizinischer Sicht ein Urteil mit voraussehbarem Ausgang. Der Lärm wird weitergehen, schon alleine auch deswegen, weil die Seniorin ihrer Tochter körperlich unterlegen sein dürfte. Mit einem geschulten gesetzlichen Betreuer wäre die Situation in kurzer Zeit zu entschärfen. Der Richter hätte die Möglichkeit gehabt, das anzuregen. Kein sonderlich glänzendes soziales Aushängeschild für Deutschland Herr Richter!
Seh' ich auch so - dieser Richter hat sich noch nicht mit der Leistungsfähigkeit älterer Menschen befasst. Mancher könnte es vielleicht (der hätt' aber dann schon Möglichkeiten gesucht) - viele aber können solch verhakelte Dinge nicht mehr lösen ... zur Krankenkasse gehen, evtl. auch zum Bezirk, einen "Therapieplatz" finden ... ja, welche Therapie ist denn die richtige? Oder lieber mit Tabletten vollstopfen? Es könnte hilfreich für den Richter sein, wenn er exemplarisch diese Aufgaben selbst übernimmt ... er kann sich ja als Betreuer vorschlagen lassen. Falls ihn die 57jährige überhaupt akzeptiert. Nein, so ein Richter ärgert mich einfach. Er mag sachlich vielleicht richtig liegen, dass Abhilfe notwendig ist - aber er kann nicht die Mutter verdonnern. Wenn er die Mutter verdonnert, ist davon auszugehen, dass diese derzeit der Betreuer der Tochter ist -ansonsten kann die Mutter nicht für einen erwachsenen Menschen verantwortlich gemacht werden. Mit ein wenig Übersicht hätte er einen Betreuerwechsel anregen sollen. So ein Richter entscheidet über das Schicksal von Menschen ...
g.schwollner-beitl 27.03.2014
5. ...und hat der schlaue Flari
Dran gedacht, dass das dann im Artikel zu lesen gewesen wäre? Der Hammer wie mit hilflosen Menschen umgegangen wird hierzulande. Da graust mir vorm alt werden. Sobald man als Steuerzahler ausfällt, wird man zum gesellschaftlichen Sondermüll. Mal dran gedacht, was diese alte Frau in ihrem Leben ausgehalten hat?
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