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Tycoon Asil Nadir: Schuldspruch nach zwei Jahrzehnten

Foto: Facundo Arrizabalaga/ dpa

Betrugsverfahren in London Milliarden-Bankrotteur Nadir schuldig gesprochen

Spektakuläres Urteil in London: Asil Nadir gilt als Englands berühmtester Justiz-Flüchtling. Der 71-Jährige hatte hohe Millionenbeträge aus seinem insolventen Firmenimperium Polly Peck abgezweigt und war 1993 nach Nordzypern geflohen. Jetzt wurde er schuldig gesprochen.

London - Fast 17 Jahre lang war der Milliarden-Bankrotteur Asil Nadir auf der Flucht. Der schillernde Geschäftsmann, dem zur Last gelegt wird, einen dreistelligen Millionenbetrag unterschlagen zu haben, lebte bewacht von schwerbewaffneten Leibwächtern in einer festungsgleichen Villa in Nordzypern, bis er im Jahr 2010 nach Großbritannien zurückkehrte. Kaum einer hatte geglaubt, dass ihm dort auch tatsächlich der Prozess gemacht werden würde. Jetzt hat ein Gericht in London den 71-Jährigen schuldig gesprochen.

Nadir habe in drei der 13 ihm zur Last gelegten Fälle Geld entwendet. Über neun weitere Anklagepunkte muss die Jury noch entscheiden. Ein Punkt wurde fallengelassen. Nach dem Zusammenbruch seines Firmenimperiums Polly Peck war Nadir im Mai 1993 in seine türkisch-zyprische Heimat geflohen. Die britische Justiz warf ihm vor, er habe rund 150 Millionen Pfund (etwa 235 Millionen Euro) aus seinem insolventen Unternehmen abgezweigt. Am Montag bestätigte das Gericht in London, dass Nadir mindestens die Teilsumme von 5,5 Millionen Pfund gestohlen hat.

Nadir erschien in dunklem Anzug und hellgrünem Schlips vor Gericht. Er wirkte schockiert, als die Jury die Schuldsprüche bekannt gab. Seine Frau verließ den Gerichtssaal unter Tränen und ließ sich von einem Chauffeur im Jaguar wegfahren.

Spendenskandal brachte Tory-Regierung unter John Major in Bedrängnis

Asil Nadir wurde 1941 in Zypern geboren. In den achtziger Jahren hatte der Großunternehmer eine kleine Textilienfirma zu einem der erfolgreichsten Unternehmen Großbritanniens aufgebaut. Doch der Erfolgszug seines Firmenimperiums Polly Peck kam 1990 zu einem abrupten Ende, als Ermittlungen wegen Betrugs gegen Nadir eingeleitet wurden und das Unternehmen an der Börse abstürzte.

Gegen den börsennotierten Mischkonzern mit mehr als 17.000 Mitarbeitern wurden 66 Anklagen erhoben, wie anlässlich Nadirs Rückkehr etwa die "Financial Times Deutschland" berichtete : Nadir hatte Millionen und Abermillionen Pfund aus dem Unternehmen nach Nordzypern und in die Türkei geschafft, bald darauf war Polly Peck mit einem riesigen Schuldenberg zahlungsunfähig - noch vor Beginn des Gerichtsverfahrens flüchtete sich Nadir in einem Privatflugzeug nach Nordzypern.

Das Scheitern von Polly Peck gilt als eine der größten Firmenpleiten der britischen Wirtschaftsgeschichte. Der Untergang des Unternehmens brachte 1993 auch Großbritanniens konservative Tory-Regierung in Bedrängnis , weil sie von Nadir eine großzügige Spende von 440.000 Pfund erhalten hatte.

Nadir war im Jahr 2010 freiwillig nach Großbritannien zurückgekehrt, in der Hoffnung sich rehabilitieren zu können. Er war lange einer der meistgesuchten Flüchtlinge des Landes. Die allein von Ankara anerkannte Türkische Republik Nordzypern hat keine Auslieferungs-Übereinkunft mit Großbritannien.

bos/AFP/Reuters
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