Haftstrafe für Fußball-Profi Breno Verbrannter Ruhm

Es ist wohl das Ende einer verheißungsvollen Karriere: Das Landgericht München hat den früheren Bayern-Profi Breno wegen schwerer Brandstiftung zu knapp vier Jahren Haft verurteilt. Der Prozess zeigte, wie ein Jungfußballer in der Fremde tragisch scheiterte.

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Hamburg - Eine knappe halbe Stunde, bevor die Richterin über seine Zukunft entscheidet, ergreift Breno noch einmal das Wort: Er wolle sich entschuldigen, sagt der 22-Jährige, beim FC Bayern, bei seinem Vermieter, bei den Fans, bei seiner Familie, seinen Kindern.

Satz für Satz übersetzt eine Dolmetscherin die Worte des Fußballers, dem einst eine Weltkarriere prophezeit wurde. Nun wird er vielleicht nie wieder als Profi auf dem Rasen stehen.

Breno Vinícius Rodrigues Borges ist wegen schwerer Brandstiftung verurteilt worden. Er muss drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Nach Ansicht des Münchner Landgerichts hat der damalige Bayern-Spieler in der Nacht auf den 20. September 2011 seine gemietete Villa im Nobelvorort Grünwald angezündet. Es entstand ein Schaden von einer Million Euro. "Der Angeklagte hat mit dieser Tat eine sehr schwere Schuld auf sich geladen", sagt Richterin Rosi Datzmann.

"Er ist zwar kein normaler Delinquent, weil er Hausbesitz in Brasilien, Vermögen und eine Familie hat", so die Richterin. "Aber er muss wie ein normaler Delinquent behandelt werden." Breno ist nach Ansicht der Kammer vermindert schuldfähig. Neben seinem jungen Alter wurde auch berücksichtigt, dass er in der Tatnacht unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten stand und in einer depressiven Stimmung war.

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Bayern-Profi Breno: Vom Talent zum Sorgenkind
Als das Urteil verkündet wird, wirkt der Angeklagte zunächst unbeeindruckt. "Es ist eine schwere Stunde für Breno, aber er ist sehr gefasst. Wir waren nicht unvorbereitet", sagt sein Anwalt Werner Leitner. Er habe noch nicht entschieden, ob er Revision beantragen werde.

"Unreife Persönlichkeit"

Mit jedem Verhandlungstag wurde deutlicher, wie unglücklich Breno gewesen sein muss. Er war zum Fußballspielen nach Deutschland gekommen, konnte aber wegen schweren Knieverletzungen kaum spielen. Er fand keinen Anschluss in der Mannschaft, sprach auch nach mehr als vier Jahren in München kaum Deutsch, schaffte den Führerschein nicht.

Seine Eltern begleiteten den damals 18-Jährigen zunächst nach München, zogen dann aber zurück nach Brasilien. Er hätte sie gerne bei sich gehabt, sagte Breno zum Prozessauftakt. Der gerichtliche Gutachter Henning Saß bescheinigte ihm eine "noch nicht sehr gut gefestigte, unreife Persönlichkeit".

In der Familie gab seine deutlich ältere Frau Renata den Ton an. Auch Brenos Manager hatte offenbar großen Einfluss. Als Zeuge sagte er aus, vor Breno ein Verhältnis mit dessen Frau gehabt zu haben. Breno sei "der Schwächste in dieser eigenartigen Dreier-Konstellation" gewesen, so der Sachverständige Saß.

Als Breno im vergangenen September erfuhr, dass er noch einmal am rechten Knie operiert werden muss, begann er schon mittags Alkohol zu trinken. Dieses Verhalten war wohl keine Seltenheit: Gutachter Saß zufolge trank der Leistungssportler in den vergangenen Monaten regelmäßig Alkohol, wenn er sich niedergeschlagen fühlte. Manchmal zehn Bier, manchmal eine Flasche Whiskey am Tag.

Zudem bediente er sich nach eigener Aussage regelmäßig am Medizinschrank des FC Bayern. Er habe sich einfach eine Packung Schlafmittel mit nach Hause genommen, ließ Breno über seinen Anwalt mitteilen. Er habe erst in dem Prozess von den Folgen des gleichzeitigen Konsums von Medikamenten und Alkohol erfahren.

"Geben Sie Breno eine Chance"

Der Prozess war auch deshalb besonders, weil er Fragen aufwarf, die über die Person Breno hinausgehen. So ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen der Schlafmittel-Aussagen auch beim FC Bayern. Der Club muss zudem seinen Umgang mit jungen Fußballern aus dem Ausland hinterfragen. Andere Vereine sorgen besser für die Integration der Spieler - diesen Vorwurf äußerte selbst der frühere Bayern-Profi Giovane Elber zu Prozessbeginn.

Die Münchner, die für Breno während der Untersuchungshaft schon die Kaution hinterlegt hatten, versprachen dem Fußballer nun erneut ihre Unterstützung. Man habe das Urteil mit Bedauern zur Kenntnis genommen, heißt es in einer Mitteilung.

Als die Villa abbrannte, stand Breno vermutlich unter dem Einfluss von Tabletten, er hatte zudem Bier, fast einen Liter Portwein und Whiskey getrunken. Die Polizei fand ihn mit nacktem Oberkörper vor, er trug nur Shorts und Badelatschen, war voller Ruß. Noch während der Löscharbeiten soll er Feuerwehrleuten drei Feuerzeuge übergeben haben, mit der Bitte, diese wegzuwerfen.

Die Gutachter waren sich uneins. Einer von ihnen wollte auch einen technischen Defekt als Brandursache nicht ausschließen. Es blieben Zweifel, argumentierte die Verteidigung - und forderte daher Freispruch. Oder - sollte das Gericht zu einer anderen Ansicht kommen - zumindest eine milde Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren. Die hätte noch zur Bewährung ausgesetzt werden können. "Er hat nichts außer der Familie und Fußball", sagte Leitner in seinem Plädoyer. "Geben Sie Breno eine Chance."

Schon vor dem Prozess war bekannt geworden, dass der italienische Club Lazio Rom den kräftigen Verteidiger wahrscheinlich verpflichten würde, sollte es nicht zu einer Gefängnisstrafe kommen. Seinem Knie gehe es besser, er könne wieder ordentlich trainieren, sagte Breno in der ersten Verhandlung. Er trinke auch keinen Alkohol mehr. Vielleicht hätte er wirklich eine Chance gehabt, seine Karriere doch noch ins Positive zu wenden.

Nun muss er sofort ins Gefängnis. Mit der Verurteilung setzte das Gericht auch den Haftbefehl wieder in Kraft, noch im Gerichtssaal wurde Breno festgenommen. Nach zweieinhalb Jahren, so die Richterin, könnte er nach Brasilien abgeschoben werden.

Mit Material der Nachrichtenagenturen

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Seite 1
dr.mopped 04.07.2012
1. Mir fehlt hier die Verhältnismässigkeit
Zitat von sysopDPAEs ist wohl das Ende einer verheißungsvollen Karriere: Das Landgericht München hat den Bayern-Profi Breno wegen schwerer Brandstiftung zu knapp vier Jahren Haft verurteilt. Der Prozess zeigte, wie ein Jungfußballer in der Fremde tragisch scheiterte. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,842643,00.html
Wie oft wurden z.B. Autofahrer, die fahrlässig oder im Suff (das ist für mich in jedem Fall vorsätzlich) Menschen schwer verletzt oder gar getötet haben nur zu geringen Bewährungsstrafen verurteilt.
kiriakosmadjaroglou 04.07.2012
2. völlig überzogen...
...finde ich dieses urteil, besonders im sinne einer resozialisierung.
fpa 04.07.2012
3. Wie bei Koc ... offener Vollzug
Zitat von kiriakosmadjaroglou...finde ich dieses urteil, besonders im sinne einer resozialisierung.
Das könnte auch so gehen: Süleyman Koç (http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCleyman_Ko%C3%A7) Martin Bader sollte nicht schlafen, und ihn sofort wieder zum Club holen! Denn in Nürnberg hat sowohl menschlich als auch sportlich alles gepasst für Breno.
teekaysevenfive 04.07.2012
4. Leider...
...ist es in unserem Land immer noch so, dass die Verhältnismäßigkeit zwischen Strafen bei Sachschäden und solchen mit Personenschäden oder sogar Tötungsvergehen absolut nicht stimmt. Mein Gott. Ein Haus! Und dafür knapp 4 Jahre seines Lebens eingesperrt sein? Bei uns kommt jeder Steuerhinterzieher länger hinter Gitter als ein Totschläger. Überspitzt dargestellt, aber mit einem wahren Kern. Unsere Rechtsprechung ist absolut materialistisch ausgelegt.
SAMK 04.07.2012
5. genau richtig
Wer als 22-jähriger "Profi" mit sich und seiner Umwelt nicht zurecht kommt und sich von Alkohol und Tabletten nur zu gern verführen lässt hat hier nichts anderes als dieses Urteil verdient. Schauspieler, Profis usw. sollen mit den Samthandschuhen angefasst werden? Nein! Die Richterin hat es gut gesagt, denn Vermögen und Häuser machen keinen Unterschied was die Tat angeht die er begangen hat. Keiner fragt wie es Frau und Kindern dabei ergangen sein möge. Wer Fehler macht muss auch dazu stehen und die Konsequenzen tragen ohne wenn und aber.
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